13. September 2013

13. September 2013

article_3891_10_180.jpg• Zerschlagung des Zuckerballons Raika
• Betteln ist erlaubt mit dem Original Wiener Praterkasperl
• F13-Grillfest
• Spaziergang gegen eine Privatisierung und Verbauung des Otto-Wagner-Areals

Aktionen im Zeichen der schwarzen Katze

• Gegen die Raika, für die Bettler_innen


Seit einigen Jahren gibt es in Wien den F13: die «Unglücklichen» der Stadt deuten sich Freitag, den 13 als ihren Glückstag und machen mit vielfältigen Aktionen im öffentlichen Raum auf ihre Lage aufmerksam. Am Aktionstag vom Freitag, 13. September, beteiligten sich unter anderen der Augustin, die Bürger_inneninitiative Steinhof, die Blockupy-Plattform (u.a. mit ATTAC), die Performancegruppe SlowForward, die CantinAsozial und die BettelLobby Wien. Bei einer Aktion am Schwedenplatz konnten die Passant_innen den «Zuckerballon Raika» zerschlagen – denn die Raiffeisengruppe hat in Österreich immer noch ein Monopol auf Zucker (Agrana); sie hat in den letzten Jahren den Preis für Zucker erhöht, obwohl er am Weltmarkt gesunken ist. «Krisenprofiteur Raika» stand auch im Zentrum eines Straßentheaterstücks.

• Betteln ist erlaubt mit dem Original Wiener Praterkasperl

Die BettelLobby Wien präsentierte vor der Polizeidirektion Wien ihre «Betteln ist erlaubt»-Broschüre. Der Folder informiert Bettler_innen mehrsprachig über ihre Rechte und wird in den nächsten Wochen über Beratungsstellen sowie auf der Straße verteilt.Auch für Geber_innen, die sich für die Rechte von Bettler_innen einsetzen wollen, sind nützliche Infos enthalten. Vorgestellt wurde die Broschüre direkt vor der Polizeizentrale mit einer Aufführung des Original Wiener Praterkasperls. Den Dialogen zwischen Kasperl und dem Herrn Inspektor liegen absurde Strafverfügungen der Wiener Polizei gegen Bettler_innen zugrunde. Das Kasperltheater wurde nachmittags im Rahmen des F13-Grillfestes im Augustin-Innenhof wiederholt.

(Fotos: Magdalena Blaszczuk, Carolina Frank, Milena Krobath)

 

• Selig die Spaziergänger_innen ...


«Das Otto-Wager-Spital ist – wie der Name schon sagt – ein Spital und per se ungeeignet für jeden Aktionismus. Unsere oberste Priorität ist das Wohl der Patient_innen und ein ungestörter Spitalsbetrieb. Ihre geplante Kundgebung, bei der möglichst viele Leute vom Haupteingang zur Kirche marschieren wollen, liegt nicht im Interesse des Krankenhauses und der Patient_innen (…) Die Lemonibergpredigt ist ebenso nicht möglich (…) Die Direktion des Otto-Wagner-Spitals kann aus diesen Gründen die Kundgebung nicht gestatten.»

Möglicherweise ist ein Bettentrakt eines Spitals «ungeeignet für jeden Aktionismus» (obwohl man eigentlich auch eine Performance der Rote-Nasen-Clowns vor den Patient_innen als Aktionismus für menschlicheren Umgang bezeichnen könnte). Dass aber die gesamte riesige Anlage auf städtischem Boden, deren Parks und Pavillons öffentlich zugänglich sind, «ungeeignet für jeden Aktionismus» sei, würde einer juridischen Überprüfung kaum standhalten. Das Problem wurde aber nicht juridisch, sondern praktisch gelöst: Am Freitag, dem Dreizehnten, spazierten 130 Gegner_innen einer Privatisierung und Verbauung des denkmalgeschützten Otto-Wagner-Areals lemonibergaufwärts zur goldenen «Lemoni»-Kuppel der Jugendstilkirche.

Denn: Die Busladungen voller Tourist_innen, die täglich durch die «Jugendstilstadt» geschleust werden, willkommen zu heißen und den Spaziergang derer, die das Weltkulturerbe retten wollen, zu einem kriminellen Akt zu erklären, ist nicht zu legitimieren. Dieselben, die am 3. September (siehe oben) die Ausübung demokratischer Rechte verhindern wollten, zeigten sich am Tag der Aktion (zehn Tage später) als überaus gesprächsbereit; sie wünschten der Aktion sogar «gutes Gelingen».

Der Wunsch, auch wenn es ein taktischer war, ging in Erfüllung.Vor der Otto-Wagner-Kirche gelangte die von einem in Steinhof-Angelegenheiten engagierten katholischen Priester verfasste aktualiserte «Bergpredigt» zur Aufführung. «Selig die Frau, die es wagt, humorvoll und kreativ Bestrebungen zur Enteignung von öffentlichen Flächen zu unterlaufen – sie wird ihre Lebendigkeit spüren. Selig der Mann, der Grundstückspekulation nicht gleichsetzt mit Leben – sein Hunger wird gestillt werden ...» Auf 13 solcher Seligpreisungen reagierte das versammelte «Volk» mit einem Gesiba-feindlichen Gstanzl (Gesiba ist der Wohnbaukonzern, der das Spital übernehmen will). Rudi Lehner von der Augustin-Theatergruppe und Vincenz Wizlsperger vom «Kollegium Kalksburg» hatten sich als Zeremonienmeister zur Verfügung gestellt. Gerhard Hadinger von der Bürgerinitiative Steinhof machte die Beteiligten auf die Ungereimtheiten der ersten Privatisierungs- und Verbauungsphase (im Ostteil der Anlage) aufmerksam.

Bergpredigten führen historisch nicht immer zu besseren Zuständen. Den 130 Mitwirkenden war klar, dass viel Fantasie und Zivilcourage nötig sein wird, um die Kommerzialisierung der Anlage auszuschließen.

Für Nichtwiener_innen: Der Gebrauch vieler Namen für denselben Ort – Lemoniberg, Spiegelgrund, Steinhof, Baumgartner Höhe oder Otto-Wagner-Anlage – ist immer ein Hinweis auf dessen symbolischen Wert.


(Text: Robert Sommer; Fotos: Doris Kittler)