F13 - gedacht

F13 - gedacht

article_3295_f13_mittel_180.gifBis zu dreimal im Jahr bietet uns der Kalender diese Datumskombination mit ihrer bekannten mythologischen Unglücks-Bedeutung. Ein Jahr für Jahr wachsendes Netzwerk von Initiativen aus dem künstlerischen und sozialen Bereich entwickelte einen neuen urbanen Volxbrauch. Das Team und die Verkäufer_innen der Wiener Straßenzeitung Augustin sind Mitinitiator_innen dieses Projekts. Das Kürzel F13 steht für einen Aktions- und Feiertag für Menschen, denen mangels Konsumkraft der öffentliche Raum entzogen wird oder die gesellschaftliche Diskriminierung erfahren. Die von Carla Müller entworfene Schwarze Katze als Symbol von F13 trat erstmals im Jahr 2002 in Erscheinung.F13 ist viel mehr als Lobbying mit ungewöhnlichen Maßnahmen für Unterprivilegierte.

Was den Aktionstag einzigartig macht, sind die drei F13-Standards:

- Erstens werden die von Ausgrenzung Betroffenen selber aktiv in Erscheinung treten und den öffentlichen Raum frech auch dort besetzen, wo sie im Alltag unerwünscht sind.
- Zweitens werden Künstlerinnen und Künstler, Aktivist_innen aus sozialpolitischen Initiativen und aktive Betroffene spielerisch die Grenzen zwischen künstlerischer und sozialer Aktion auflösen.
- Drittens «gehört» das F13-Label niemanden, für jedes Projekt im Rahmen des Aktionstages bestimmt die entsprechende Gruppe eigenverantwortlich den Provokationsgehalt der Aktion.

Das Kürzel F13 steht auch für eine noch junge Bewegung, an der «Unglückstag»-Bedeutung mit praktischer Ironie zu rütteln. Dieser Vielzahl von Aktionen ist eines gemeinsam: Sie sind ein Appell gegen die soziale Ausgrenzung «unerwünschter» und «ökonomisch unnützlicher» Milieus, Gruppen und Individuen.

Generell wünschen sich die F13-Engagierten von den Behörden, die freie Benützung des öffentlichen Raumes zu garantieren: «Es ist verboten zu verbieten.»

Worin sich das Netzwerk einig ist:
1. Es gibt keine zentrale F13-Organisation. Jede Gruppe verwirklicht ihre Idee autonom und kann sich des F13 Labels bedienen. Das Logo von Carla Müller ist von www.f13.at bei Bedarf herunterzuladen.
Die Ankündigung der einzelnen Aktivitäten und die anschließende Dokumentation im Augustin ist ein freies Angebot.

2. F13 ist kein politischer Aktionstag und andererseits kein Tag der Straßenkunst. F13 verschränkt beides, es ist ein Tag der künstlerischen und sozialen Aktionen bzw. von hybriden Projekten, die nicht mehr einseitig «der Kunst» oder „der sozialen Bewegung“ zuordenbar sind. Jede Seite gebraucht ihre eigene Aktions-Sprache, die populär und amüsant sein kann, aber auch höchst irritierend und tabubrechend.

3. Selbstorganisation bzw. Mitwirkung der von sozialer Ausgrenzung Betroffenen muss ermöglicht und angestrebt werden.

4. Niemand kann einem das Atmen verbieten, also fragen F13-Aktivist_innen auch nicht um Erlaubnis, ob sie den öffentlichen Raum benützen dürfen.