Die Schreibwerkstatt

Die Schreibwerkstatt

article_10_schreibwerkstatt_april_180.jpg(...) Und wie gehts einem Exeinbrecher wie mir heute? Seit meiner letzten Haft vor drei Jahren bin ich arbeitslos. Am Konto habe ich 30 Euro. Ich rief meinen AMS-Betreuer an, dass ich am Vortag einen Job als Anzeigenverkäufer gefunden hätte. Mein Betreuer meinte, Stellenangebote des AMS gingen vor und ich müsse mich ehemöglichst bei den Stellen bewerben, die er mir zusandte. Also schrieb ich meine Bewerbungen per Mail und bekam auch Vorstellungstermine, bei welchen mir versprochen wurde, dass sich die Firma bei mir melden würde. Aber welche Firma nimmt einen 68-jährigen auf, wenn unzählige herumlaufen, die um einiges jünger sind und keine Einbrecherkarriere hinter sich haben (...)
Zivilisation // eissaln gehen / eissalon gehen / büdschiam schaun / telefonian / autofoan fliagn / u. trotzdem / bled steabm

(..) Ich ging um den Stadel herum und entdeckte auf der bergwärts führenden Seite des Stadels festgemachte Stangen, mit denen Luftschlitze zugenagelt waren, die für das Trocknen des Heues angelegt waren. Ich riss eine dieser Stangen herunter und kroch durch die dadurch entstandene Öffnung in den Stadel hinein, wo ich mich auf einen Stoß Altheu legte, um zu schlafen. Um nicht gesehen zu werden, verblieb ich auch tagsüber in dem Stadel. Gegen 14 Uhr des 19. September wurde die verschlossene Stadeltür plötzlich aufgesperrt (...)



Die Schreibwerkstatt ist das älteste Projekt im Projekt. Es bestand schon vor dem Erscheinen der ersten Augustin-Ausgabe. Seit 1995 haben Menschen, die im Augustin publizieren wollen, die Möglichkeit, ihre Kreativität in Worten auszudrücken. Eine regelmäßige 8-seitige Rubrik im Augustin (Dichter Innenteil) gibt ihren Texten, ob Kurzprosa oder Lyrik, Raum, der ihnen in anderen Medien verwehrt bleibt.

 

 

Anstalt für Dichtungen aller Richtungen startet durch

Dichter Schmäh im Augustin


Einer der wenigen schriftlichen Äußerungen, die man wirklich nur für sich selbst macht, ohne jede Absicht, sie auch nur dem kleinsten Ausschnitt der Öffentlichkeit zu übermitteln, ist der Einkaufszettel. Aber, wer weiß – vielleicht kommt jemand im Laufe seiner Mitarbeit in der «Schreibwerkstatt neu», die der Augustin ab Februar anbietet, auf die glorreiche Idee, aus einer Sammlung von unzureichend entsorgten Einkaufszetteln Literatur zu machen!?

Einmal im Monat ohne den geringsten Zwang, etwas zum Ende zu bringen, den Schmäh in unsere Neigungen zur Dichtung einbringen; die Mündlichkeit der literarischen Kunst wiederherstellen; durch gewagte Saltos in die Weltliteratur unsere eigene Fantasie schärfen; mit Texten beschenkt werden und, am Markt vorbei, Poesie der Stadt zurückschenken; in unserem Schreiben keine Tabus akzeptieren; die öffentlichen Räume mit den Resultaten unserer Schöpfung füllen; das Verschwimmen der Grenzen zwischen Literatur und Grafik, zwischen Lyrik und Musik, zwischen Textarbeit und Performance zelebrieren; und dabei herauskriegen, ob Beuys recht hat mit seinem Statement, jeder sei ein Künstler, jede eine Künstlerin ... So könnte man die Aufgabenstellung eines neuen Projekts innerhalb des «Gesamtkunstwerks Augustin» zusammenfassen, das die Arbeit der seit einem Jahr «pausierenden» Schreibwerkstatt des Augustin wieder aufnimmt und – wie es auch im neuen Titel «Anstalt für Dichtungen aller Richtungen» zum Ausdruck kommt – deren engen Rahmen weit überschreitet.

Die Teilnehmer_innen am Experiment einer neuen Schreibwerkstadt sind insofern Dilettant_innen, als ihnen in der Regel aufgrund ihres unterprivilegierten sozialen Status die Voraussetzung fehlt, Stars zu werden. Auch wenn einzelne gelegentlich symbolische Gagen kriegen: Dass die «Dichtungen aller Richtungen» je Gegenstände großen kommerziellen Interesses sein werden, wird meistens ein Traum bleiben. Von der Kunst können wir nicht leben, aber ohne Kunst können wir schon gar nicht leben, hat einmal ein ganz Kluger gemeint. Diejenigen Alt- und Neowiener_innen, die ohne Kunst nicht leben können, sind die erste Zielgruppe der «Anstalt». (Konzept und Koordination: Augustin-Mitbegründer Robert Sommer)

Es handelt sich selbstredend um eine offene Gemeinschaft: Augustin-Verkäufer_innen sind im neuen Subprojekt in der Reinprechtsdorferstraße genauso willkommen, wie Liebhaber_innen oder Leser_innen der Straßenzeitung; Anfänger_innen genauso wie Fortgeschrittene.

Start-Termin: Montag, 13. Februar, 19 Uhr im Augustin-Zentrum 1050, Reinprechtsdorferstraße 31.

Ab dann monatlich, jeden zweiten Montag des Monats.