Die Schreibwerkstatt – Anstalt für Dichtungen aller Richtungen

Schreibwerkstatt

Die Schreibwerkstatt – Anstalt für Dichtungen aller Richtungen

article_10_schreibwerkstatt2_180.jpgEinmal im Monat ohne den geringsten Zwang, etwas zum Ende zu bringen, den Schmäh in unsere Neigungen zur Dichtung einbringen; die Mündlichkeit der literarischen Kunst wiederherstellen; durch gewagte Saltos in die Weltliteratur unsere eigene Fantasie schärfen;

mit Texten beschenkt werden und, am Markt vorbei, Poesie der Stadt zurückschenken; in unserem Schreiben keine Tabus akzeptieren; die öffentlichen Räume mit den Resultaten unserer Schöpfung füllen; das Verschwimmen der Grenzen zwischen Literatur und Grafik, zwischen Lyrik und Musik, zwischen Textarbeit und Performance zelebrieren; und dabei herauskriegen, ob Beuys recht hat mit seinem Statement, jeder sei ein Künstler, jede eine Künstlerin ...

So könnte man die Aufgabenstellung eines neuen Projekts innerhalb des «Gesamtkunstwerks Augustin» zusammenfassen, das die Arbeit der seit einem Jahr «pausierenden» Schreibwerkstatt des Augustin wieder aufnimmt und – wie es auch im neuen Titel «Anstalt für Dichtungen aller Richtungen» zum Ausdruck kommt – deren engen Rahmen weit überschreitet. Das neuformierte Schreib-Laboratorium wird von Jenny Legenstein und Robert Sommer geleitet.

 



Die Schreibwerkstatt ist das älteste Projekt im Projekt. Es bestand schon vor dem Erscheinen der ersten Augustin-Ausgabe. Seit 1995 haben Menschen, die im Augustin publizieren wollen, die Möglichkeit, ihre Kreativität in Worten auszudrücken. Eine regelmäßige 8-seitige Rubrik im Augustin (Dichter Innenteil) gibt ihren Texten, ob Kurzprosa oder Lyrik, Raum, der ihnen in anderen Medien verwehrt bleibt.

 


Es handelt sich selbstredend um eine offene Gemeinschaft: Augustin-Verkäufer_innen sind im neuen Subprojekt in der Reinprechtsdorferstraße genauso willkommen, wie Liebhaber_innen oder Leser_innen der Straßenzeitung; Anfänger_innen genauso wie Fortgeschrittene.

jeden zweiten Montag im Monat, 19 Uhr im Augustin-Zentrum 1050, Reinprechtsdorferstraße 31

Nächster Termin: Mo, 15. Mai 2017

Die Mundart kommt und geht

Bis er zu Wörtern wie Zwoifeleitn oder zwuzln kommt, wird noch einiges Donauwasser in Passau, der Vorstadt Schärdings, in den Inn fließen. Von dem aus Schärding am Inn stammenden Amateursprachforscher Ernst Stöckl liegt erst der erste Band des insgesamt auf 5000 Seiten orientierten Standardwerks «Schärdinger Wörterbuch der Mundart und Umgangssprache» vor. Band eins, von A bis D, endet mit Ausdrücken wie dunglad und duslad. Die Amateurhaftigkeit ist dem Buch nicht anzumerken: Stöckl hatte wissenschaftliche Berater aus Wien, Linz und Passau. Die Einzigartigkeit des Wörterbuchs ist aber der Originalität des «Laien» geschuldet: Sämtliche der präzise aufgelisteten Wörter sind in ein bis vier Mundart-Sätzen eingebettet. Er habe versucht, erklärt Stöckl, diese Sätze «gescheiten und dummen, nüchternen und betrunkenen, angeberischen und introvertierten Menschen in den Mund zu legen». Menschen all dieser Kategorien hat der Autor in seinen Wanderungen durch die Region kennengelernt. Eine humorvolle Videodokumentation darüber, die Vorstellung des Gesamtbuchprojekts und Erläuterungen über den Verlust der Dialektwörter bilden den ersten Teil des dritten Abends der Anstalt für Dichtungen aller Richtungen im Augustin. Im zweiten Teil sind die Besucher_innen dieser Augustin-Schreibwerkstatt aufgefordert, einen vorbereiteten Schriftsprache-Text in Wiener Dialekt zu übersetzen. Man wird sich über die Vielfalt der Dialektschreibungen wundern. Die entstandenen Texte sind die Basis für eine Diskussion mit Dialekt-Autorin El Awadalla über die Sinnhaftigkeit der Festlegung von Regeln, wie Mundart geschrieben werden «müsse».