Andreas

Zuerst das Vergnügen

Andreas

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Ich feiere bald mein fünfzehnjähriges Jubiläum. Am 12. Dezember 2001 habe ich mich beim Augustin eingeschrieben. Meine Mutter hatte mir das damals geraten, nachdem ich eine Weile beim Stadtgartenamt und bei der Straßenreinigung gewesen bin. Vorerst gestaltete sich für mich das Verkaufen der Zeitung schwierig, aber erfahrene Verkäufer haben mir gesagt und gezeigt, wie man es machen soll.

Aktuell verkaufe ich am Westbahnhof oder bei der U3-Station beim Volkstheater. Diese Plätze wählte ich, weil sie für mich leicht erreichbar sind, ich wohne nämlich seit 40 Jahren im 15. Bezirk. Irgendwo in Simmering würde ich mich verloren fühlen. Am Westbahnhof stehen natürlich auch einige andere mit dem Augustin, aber wir kommen uns nicht in Quere, denn wir sprechen uns ab. Außerdem verkaufe ich in den Abendstunden. Am Vormittag bringt es erfahrungsgemäß nichts, und in der Früh, wenn die Leute in die Arbeit fahren, geht für mich nicht. Man sagt ja gerne, zuerst die Arbeit, dann das Vergnügen, bei mir ist es aber umgekehrt, ich gehe erst um 19 Uhr den Augustin verkaufen.

Was mich vergnügt? Fotografieren! Ich habe die Kamera immer griffbereit um den Hals gehängt. Ich jage nicht speziellen Motiven nach, viel mehr mache ich gerne Schnappschüsse, vor allem bei Veranstaltungen. Davon abgesehen höre ich gerne Musik, genauer Austropop von Ulli Bär, Wolfgang Ambros oder Reinhard Fendrich, der gerade ein neues Album veröffentlicht hat, aber auch Marianne Mendt. Ich schaue auch sehr gern Krimis wie den Commissario Brunetti von Donna Leon oder den Tatort. Und Fußball, ich bin Austrianer. Heute spielen wir in der Europa League gegen die AS Roma. – Ich weiß nicht, ob wir das schaffen!? (Das Spiel endete mit einem Remis, Anm. d. Red.).

Mein Austrianer-Dasein lasse ich aber gerade hier beim Augustin nicht heraushängen, den Sonja und Andi (Kolleg_innen vom Vertrieb, Anm. der Red.) sind Rapidler. Ich genieße die Ruhe beim Augustin und möchte diese nicht gefährden.

Was ich mir vom Augustin in den nächsten fünfzehn Jahren erwarte? Schwer zu sagen, auszusetzen habe ich jedenfalls nichts, aber vielleicht sollten mehr Leute den Augustin verkaufen.

Foto: Mehmet Emir