Boban

Boban

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Ich verkaufe den Augustin seit 2004. Davon erfahren habe ich von einem Verkäufer, der aber nicht mehr hier ist. Der hat viel verkauft. Aber wo immer ich stehe, kommt mir vor, verkauf ich nichts. Es ist egal wo.
Der Andi vom Vertrieb sagt vor kurzem zu mir: «Im 16. ist was frei.» Gestern war ich im 16. – nichts. Vorher war ich bei der Kettenbrückengasse. Da ist die Polizei gekommen: «Ausweis!» Ich zeig ihn her. «Passt! Kein Problem. Weiter.» Wenn ich aber durch den Naschmarkt gehe, verkaufe ich sicher ein paar Augustins. Die Leute, die den Augustin kaufen, sind immer nett. Ich bin auch immer fesch angezogen. Im Café Ritter, Mariahilfer Straße, darf ich auch verkaufen. Da hab ich keine Schwierigkeiten.
Ich bin aus Serbien. In Wien bin ich seit 1967. Die österreichische Staatsbürgerschaft habe ich, eine eigene Wohnung habe ich auch. Seit 20 Jahren bin ich geschieden und habe nicht wieder geheiratet. Mit meiner Tochter verstehe ich mich aber sehr gut.
Mit 15 bin ich boxen gegangen. Ich habe einen Spender für das, was mich das Trainieren kostet einmal in der Woche, viermal im Monat, das zahlt ein guter Mensch, Herr. D. Wir kennen uns schon 14 Jahre lang. Er ist jetzt auch schon in Pension. Wir haben uns kennengelernt in dem Lokal in der Gumpendorfer Straße, wo meine Schwester gearbeitet hat. Er war ein Stammgast und er wurde gefragt: Kannst du nicht dem Pajkovic Boban helfen? Es ging um die Staatsbürgerschaft. Sagt er: «Setz dich nieder, sag mir dein Geburtsdatum und wo du arbeitest.» Er hat mir sogar die Kosten für die Staatsbürgerschaft bezahlt. Dann hat er mich gefragt, ob ich boxen kann. Damals habe ich regelmäßig zum Trainieren angefangen, und nach einem Jahr hab ich ein Match gehabt und hab geboxt und hab in der 2. Runde durch k.o. gewonnen. Ich habe inzwischen mit dem Boxen aufgehört, und jetzt fang ich wieder an – wegen der Bewegung.
Ich gehe immer zum Arzt zur Kontrolle, weil ich viel rauche. Einmal muss ich noch zum Abhorchen gehen und einmal das Herz untersuchen, nächsten Monat.
Von Beruf war ich Kellner. Da habe ich gut verdient. Es gab Bälle und dieses und jenes. Am meisten habe ich bei Banketten verdient. Jetzt bin ich in Invalidenpension, mit 65 kriege ich dann die volle Pension. Aber mir geht es nicht schlecht, ich kann mich nicht beklagen mit meinem Leben. Ich muss auf meine Tochter hören, wegen dem Rauchen, und auch Herr D. hat mir gestern erst gesagt: Du musst aufhören mit dem Rauchen.
Etwas kann ich noch erzählen: Ich sitz in der Operngasse bei einem Mineral und da schaut mich einer an und ich schau ihn an und er fragt: «Magst einen kürzeren Kopf haben?» Wie auch immer, wir sind zur U-Bahn gegangen und am Bahnsteig hat er mich geschupft, ich bin unter die U-Bahn geflogen. Am rechten Fuß hat es mir den kleinen Zeh abgeschnitten. Den, der mich geschupft hat, kannte ich nur vom Sehen. Ich war in der Zeitung, im Fernsehen, überall.

Foto: Andreas Hennefeld