Chioma

Chioma

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Mein Vorname ist dir nicht vertraut? Ich komme aus Nigeria und bin vor rund zehn Jahren in Österreich gelandet, direkt in Wien. Meine Tochter musste ich nachholen, was sehr, sehr aufwendig und mühsam gewesen ist. Sie ist jetzt 18 Jahre alt und besucht ein Gymnasium, wo sie nächstes Jahr zur Matura antreten wird. Daher spricht sie auch sehr gut Deutsch, aber zu Hause unterhalten wir uns auf Englisch. Ich habe zwar Deutschkurse besucht, aber mein Englisch ist einfach besser.
In Nigeria habe ich als Näherin gearbeitet, aber das ist schon lange her. Ich habe in der Zwischenzeit eigentlich schon vergessen, wie das Nähen geht. Den Augustin verkaufe ich nun seit sieben, vielleicht acht Jahren am Westbahnhof. Ich könnte nicht behaupten, dass sich für mich mit der Eröffnung des neuen Hauptbahnhofs Gravierendes am Westbahnhof verändert hätte. Meine Stammkundschaft ist mir geblieben, die ist auch sehr wichtig für mich. Somit habe ich viel Kontakt zu Österreichern und Österreicherinnen und muss nicht unter uns Afrikaner_innen bleiben. Ich kann sagen, rund die Hälfte meiner Freunde und Bekannten sind weiß.
Anfangs sei es schon stressig gewesen, als Mensch mit schwarzer Hautfarbe Straßenzeitungen zu verkaufen. Ich musste mir Sachen wie ‹Geh doch zurück› oder ‹Das ist keine Arbeit, was du hier machst› anhören, aber mit der Zeit lernt man auch sehr nette und hilfsbereite Menschen kennen, die z. B. im Augustin-Vertriebsbüro nachgefragt haben, was mit mir los sei, weil ich eine Weile krankheitsbedingt nicht verkaufen konnte. Oder meine Tochter erhält von Stammkund_innen zu Weihnachten sogar Geschenke!
Für mich ist Jesus sehr wichtig, ich gehe sonntags immer in die Kirche. Davon abgesehen nütze ich den Sonntag, um mich auszuruhen, damit ich zu Wochenbeginn wieder fit bin.

Foto: Andreas Hennefeld