Jan

Vom Kontrollor zum Kolporteur

Jan

article_3383_jan_180.jpgWochenende Merkur Mistelbach, sonst auch Mariahilferstraße/Gerngroß
Für den Fototermin möchte ich die Haube wechseln, denn ich bin ein Grün-Weißer (Jan zieht sich eine Haube mit der Aufschrift «Geh Scheissn!» vom Kopf und eine vom Fußballverein «SK Rapid Wien» über, Anm.). Ich bin nämlich Fan von Fußballvereinen, die Grün und Weiß als Vereinsfarben haben. So verwende ich auch nicht zufällig eine grün-weiße Zahnbürste oder eine grün-weiße Zitruspresse. Das hat bei mir mit Bohemians Prag, wo nun Antonín Panenka Präsident ist, angefangen. Weitere Vereine wären Ferencváros Budapest, FC Groningen oder AS Saint-Étienne. Seit ich in Wien lebe gibt es für mich natürlich nur Rapid Wien.
2009 habe ich mehr oder weniger kopfüber meine Zelte in Prag abgebrochen und bin per Autostopp nach Wien gefahren und geblieben. Heute habe ich eigentlich keinen Bezug mehr zu Tschechien, auch keinen Kontakt zu meiner Mutter oder zu meinen beiden Brüder.
Ich wohne nun in Sandleiten – alleine in einer kleinen, aber teuren Wohnung. Eine Wohngemeinschaft käme mir zwar billiger, doch das geht für mich nicht, weil ich unter anderem viel Platz für meine Sachen brauche. Ich sage aber offen, dass mir eine Partnerin fehlt. Eine sehr wichtige Voraussetzung wäre: mit mir auf Rock-Festivals gehen! Ich höre auch viel Punk- und Metal-Musik, zur Zeit vor allem eine schwedische Death-Metal-Band.
Ich weiß, ich bin oft hektisch und habe auch Konzentrationsschwierigkeiten. Bspw. ging schon oft mein Augustinausweis verloren. Andererseits spiele ich Darts, Tischtennis und sehr gerne Schach, was zeigt, dass ich nicht immer hektisch bin, dass ich denken kann.
In Prag habe ich auch Straßenzeitung verkauft, denn ich konnte nicht länger bei einer Tankstelle als Autofensterputzer arbeiten, da ich an den Händen Ekzeme bekommen habe. Das Zeitungverkaufen ist in Prag zunächst sehr gut gelaufen, konnte mir dabei auch Späßchen erlauben. Einige Male bin ich in der U-Bahn als Fahrschein-Kontrollor aufgetreten und gab mich erst später als Kolporteur zu erkennen. Den Fahrgästen hat das getaugt, die haben fleißig gekauft, und die Strafen, die ich dafür ausfassen musste, waren sehr niedrig. Wirtschaftlich betrachtet ist das eine gute Verkaufsstrategie gewesen.
Den Augustin verkaufe ich eigentlich überall, wobei ich meine besten Verkaufsplätze nicht verraten möchte, da es Nachahmer gibt und eine Konkurrenzsituation entstehen würde. In Prag habe ich die Straßenzeitung immer reimend verkauft, auf Deutsch fehlen mir aber noch gute Sprüche, die ich den Passanten zurufen könnte. In etwa so: «Nicht weglaufen, muss mir Essen kaufen.»