Klara

Manchmal gut, manchmal schlecht

Klara

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Heute um zehn Uhr vormittags kam die Polizei zu meinem Verkaufsplatz und hat mich kontrolliert. Ich hatte keinen Meldezettel und sie haben mich zusammen mit meinem Hund im Auto mitgenommen. Alle Leute schauen, was hat die Frau gemacht? Weil ich bin schon Jahre dort auf dem Platz, alle kennen mich und wissen, ich bin Klara. Die Polizisten sagen: Du kannst nicht in Wien bleiben, wenn du keinen Meldezettel hast, wenn wir wieder Kontrolle machen und du hast keinen, gibt es ein Problem. Ich muss überlegen, was ich mache.
Sieben Jahre lang verkaufe ich den Augustin schon, bei der U6 in Floridsdorf. Ich habe viele Kunden, die auch gern mit mir reden. Ich komme immer her, um diese Arbeit zu machen und ich liebe die Arbeit des Zeitungsverkaufens und Wien liebe ich auch. Früher war alles ok. Ich war verheiratet, aber mein Mann ist gestorben vor eineinhalb Jahren. Jetzt bin ich alleine und habe auch keine eigene Wohnung mehr. Derzeit wohne ich bei einer Bekannten. Ich habe vier Kinder, drei leben in England, ein Sohn in der Slowakei. Ich habe 15 Enkelkinder. Der Jüngste ist 6 Monate alt, ein kleiner Bub, ich liebe ihn sehr. Wenn ich hier kleine Kinder sehe, muss ich fast weinen, weil ich meine Enkelkinder so selten sehe. Wenn ich mit ihnen spielen will, muss ich nach England fahren. Meine Kinder sagen: «Wenn du nach England kommst, musst du nicht immer nach Wien gehen, um den Augustin zu verkaufen. Bleib hier bei uns.» Ich liebe England nicht, immer regnet es, ich werde krank. Ich bleibe eine Woche oder zwei, und dann will ich schnell wieder nach Wien.
Jeden Monat fahre ich für eine Woche nachhause in die Slowakei. Meistens bin ich aber in Wien. Das Zeitungsverkaufen geht manchmal gut, manchmal schlecht. Die letzte Woche ging schlecht, um diese Zeit geht es immer schlecht. Heute bekommen die Leute ihre Pension, diese Woche wird, glaube ich, besser.
Ich habe einen Hund, den großen, der jetzt draußen wartet. Fünf Jahre hatte ich einen anderen Hund, der ist gestorben. Mein Sohn aus der Slowakei war hier zu Besuch und hat einen Hund gekauft, er war noch klein. Ich wusste, der Hund wird später groß und frage ihn: «Warum kaufst du diesen Hund, der so groß wird?» «Mama, das ist ein lieber Hund.» Er fährt wieder zurück und mir bleibt der Hund, sein Name ist Rocky. Jetzt sind wir ein Jahr zusammen und er ist wirklich ein lieber Hund, den manche gern streicheln, und manche geben auch eine Spende für ihn.

Foto: Lisa Bolyos