Lisa

Altenpflegerin wäre mein Traumberuf

Lisa

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Obwohl ich in Wien wohne, verkaufe ich den Augustin in Krems. Wie ich auf Krems gekommen bin? Freunde haben mich vor zwei Jahren zum Augustin gebracht. Einer davon, Joseph, hatte früher selber in Krems verkauft. Ich bin somit seine Nachfolgerin, aber nicht die einzige Augustin-Verkäuferin dort. Ein weiterer Nigerianer verkauft dort und jemand, der aus Polen stammen dürfte.
Ich bin eine Halbwochenpendlerin, denn ich fahre immer donnerstags, freitags und samstags nach Krems. Diese Stadt ist zwar klein, aber sie gefällt mir sehr gut, ich fühle mich in Krems wohl. Mein Verkaufsplatz befindet sich vor einem Drogeriemarkt in einer Einkaufsstraße. Ich werde dort akzeptiert, mehr noch, ich konnte sogar schon Freundschaften schließen. Und ältere Personen nehmen sich Zeit, um mit mir ins Gespräch zu kommen, was mir auch dabei hilft, mein Deutsch zu verbessern. Von Montag bis Mittwoch besuche ich in Wien, im dritten Bezirk, einen Deutschkurs.
Im Jahr 2008 bin ich nach Österreich gekommen. Natürlich ist Österreich nicht das Ziel meiner Flucht gewesen. Man kann sagen, ich bin hier gelandet, ich möchte aber nicht über die Hintergründe und Motive, warum ich Nigeria verlassen habe, sprechen. Nur so viel, ich habe meine Schulausbildung abbrechen müssen und verfolge noch immer meinen beruflichen Traum: Ich möchte mich in Österreich zur Altenpflegerin ausbilden lassen, benötige dazu aber einen positiven Asylbescheid.
Ich bin auf das Verkaufen des Augustin angewiesen, da ich als Asylwerberin keine Arbeitserlaubnis habe und vom Staat nur 39 Euro die Woche an Unterstützungsgeldern erhalte. Das ist zu wenig zum Leben, gerade für mich als Frau. Wie das zu verstehen ist? Ganz einfach, ich möchte damit ausdrücken, dass ich Wert auf mein Äußeres lege, und Kleidung kostet nun mal, abgesehen davon ist Wien eine sehr teure Stadt.
Was ich für Hobbys habe? Bei mir kann man eher nicht von klassischen Hobbys, wie sie andere junge Menschen haben, sprechen. Ich gehe nicht aus, höre nicht Musik etc. In meiner Freizeit beschäftige ich mich mit – wenn man so sagen kann – Jesus, das bedeutet auch, dass ich viel in der Bibel lese. Ich bin Angehörige einer anerkannten Religionsgemeinschaft, und Jesus bestimmt mein Leben bis nach dem Tod hinaus. Ich wünsche mir, ihn im Himmel anzutreffen – das möchte ich auch den Augustin-Leser_innen mitteilen.