Marta

Mein Lieblingsjob

Marta

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Ich bin aus der Slowakei, aber meine Mutti war Tschechin und mein Vater von der ungarischen Minderheit. Ich spreche Ungarisch, Tschechisch und Slowakisch und ein bisschen Deutsch. Ich hoffe, dass mein Deutsch noch besser wird, aber es ist leider so schwer. Mit meinen Kindern spreche ich Ungarisch, aber mein Schwiergersohn will davon nichts wissen. Mein früherer Hausarzt in Wien, der jetzt schon in Pension gegangen ist, hat auch Ungarisch gesprochen, das war ein großer Vorteil für mich. Mit meinem neuen Arzt verständige ich mich mit Händen und Füßen, wenn mein weniges Deutsch nicht ausreicht, das funktioniert auch. Gesundheitlich geht es mir nicht so gut, ich habe zu viele Krankheiten, ich muss viele Medikamente nehmen, die ich zum Teil selbst bezahlen muss.
Hoffentlich bekommen wir bald eine andere Wohnung. In einer besseren Wohnung wird sich auch meine Gesundheit etwas bessern. Derzeit wohne ich mit meiner Tochter, ihrem Mann und den zwei Enkelkindern auf zwanzig Quadratmetern. Es ist nur ein Raum ohne Dusche, kein heißes Wasser, keine Küche – nur ein kleiner Gaskocher, den ich gekauft habe, ein Campingkocher.
Wegen meines kaputten Rückens kann ich keine reguläre Arbeit mehr annehmen, deshalb verkaufe ich den Augustin so oft ich halt kann. Und ein wenig Sozialhilfe bekomme ich auch. In der Tschechoslowakei habe ich bei einer Autofirma gearbeitet, dann zehn Jahre lang in der Fleischproduktion und zwei Jahre bei einer Elektrofirma. Vor zwanzig Jahren habe ich mich scheiden lassen. Mein Mann hat getrunken, das ganze Geld mit Automaten verspielt, er hat mich geschlagen. Es ist besser, allein mit meinen vier Kindern zu leben als mit so einem Mann. Es ist ein schwieriges Leben, aber ich sage immer: Gott ist groß! Vielleicht wird später alles gut.
Nach Österreich bin ich mit einer meiner Töchter gegangen. Sie war 18 und wollte hier als Babysitter arbeiten. Sie wollte aber nicht alleine gehen und sage: «Mutti, komm!» Zuerst habe ich in einem Restaurant gearbeitet, eineinhalb Jahre lang, sie haben mich aber nur zehn Monate angemeldet, zu wenig für die Arbeitslose. Danach war ich Haushaltshilfe und später bei einem Reklameverteiler. Schon damals habe ich nebenbei den Augustin verkauft. Das mache ich seit 2005. Gott sei Dank gibt es den Augustin! Ich gehe zum Verkaufen in Kaffeehäuser und Restaurants zwei, drei, vier Mal in der Woche, egal wie es mir geht. Die Leute kennen mich, sie warten schon und kaufen mir einen Augustin ab, und sie sagen, es ist eine gute Zeitung. Den Augustin verkaufe ich sehr gern, es ist mein Lieblingsjob. Ich mache das schon so lange, und wenn man etwas so lange macht, dann hört man nicht leicht auf damit. Hundert Mal wollte ich aufhören, aber mein Herz sagt, mach weiter!