Peter

Tausche Wohnung gegen Schrebergarten

Peter

article_2997_peter_180.jpgStubentor, Ausgang Wollzeile
Ich habe einige Jahre auf der Donauinsel gelebt. In einer kleinen Clique von vier Sandlern, die sich primitive Holzhütten errichtet haben. Walter, neben Falke und Roman einer aus diesem Quartett, ist handwerklich sehr geschickt gewesen. Aus Ästen hatte er Teile für die Hütten geflochten. Und meine Hütte hatte als Eingangstür sogar eine Tür eines ausrangierten Eiskastens. – Das ist kein Scherz!
Später tauschten wir diese Hütten gegen Zelte ein; das war dann sozusagen die bessere Version. Unser Schlaflager nannten wir ‹Republik Augustin›. Schlafsäcke und Decken hatten wir von der Gruft bekommen, aber ich muss schon sagen, dass es vor allem bei Kälte hart gewesen ist, auf der Insel zu schlafen. Ich kann mich an einen Winter mit minus 15 Grad erinnern, wo ich alle paar Stunden raus aus dem Zelt gekrochen und herumgelaufen bin, um mich aufzuwärmen. Das jahrelange Leben im Freien geht auf den Körper, das ist zweifelsfrei so. Aber es werden auch die Sinne geschärft, so verbessert sich das Gehör. Ich habe gelernt, nur durchs Hören zu erkennen, welche Tiere herumlaufen, ob es ein Fuchs oder ein Dachs ist. Aber der Eichelhäher ist anstrengend gewesen, denn jeden Morgen um sieben hat er zum Krakeelen angefangen.
Der Förster und die Polizisten haben uns auf der Insel in Ruhe gelassen, weil wir dort keinen Blödsinn gemacht haben – das war auch der Deal. Wir haben beispielsweise oft gegrillt, aber nur auf den dafür vorgesehenen Grillplätzen, somit haben sie uns geduldet.
Ich bin als Einziger aus diesem Quartett noch am Leben, und wir alle sind wegen gescheiterten Beziehungen in die Obdachlosigkeit gerutscht. – Das war eine Gemeinsamkeit von uns. Ich bin als junger Mann sozusagen ein wilder Hund und ein Schürzenjäger gewesen. Ich wollte schon bald weg vom Elternhaus und mit Freundinnen zusammenleben, doch gerade eine Trennung brachte mich 1998 auf die Straße.
Zwei Jahre später begann ich, den Augustin zu verkaufen. Falke, der von der ersten Stunde an dabei gewesen ist, hat mich dazu gebracht. Ich verkaufe den Augustin beim Stubentor, Ausgang Wollzeile.
Wie sich der Augustin verändert hat, seitdem ich dabei bin? Viele Freunde, die ich beim Augustin hatte, sind inzwischen verstorben, mehr will ich eigentlich gar nicht zu diesem Thema sagen.
Und was ich mir von der Zukunft wünsche? Ich sollte eigentlich einmal dem Bürgermeister einen Brief schicken und darin fragen, ob er nicht einen Schrebergarten für mich hätte? Ich würde diesen sofort gegen meine Gemeindewohnung tauschen.