Susi

Es hat lange gedauert

Susi

article_2950_susi_180.jpgWiedner Hauptstraße
Jetzt werde ich auch einmal von der Augustin-Redaktion vorgestellt. Das hat lange gedauert, denn ich bin beinahe von Beginn an dabei. Dagegen hat mich der ORF schon zwei Mal für Beiträge befragt und das Magazin «an.schläge» hat mich auch interviewt.
Beim Augustin hat sich vieles verändert. In der Anfangszeit hat es mehr Zusammenhalt gegeben, und es war auch lustiger. Ich bin ein fröhlicher Mensch, aber ich glaube, dass es immer mehr Menschen gibt, die frustriert sind - auch unter den Verkäufern und Verkäuferinnen. Jetzt kann ich mich wegen Sprachbarrieren mit vielen Verkäufern erst gar nicht unterhalten, was ich schade finde. Früher bildeten wir eine Clique, und ich wurde als eine der wenigen Frauen voll akzeptiert. Auch das Zeitungsverkaufen fiel früher leichter. Vielleicht haben heutzutage die Leute einfach weniger Geld übrig? - Ich weiß es nicht.
Den Augustin verkaufe ich eigentlich immer schon in der Wiedner Hauptstraße vor einem Supermarkt - und bei Schlechtwetter stehe ich im Foyer. Mit den Angestellten des Supermarkts komme ich gut aus. Mit einer älteren Frau, die dort immer einkaufen gegangen ist, hat sich sogar eine Freundschaft entwickelt, obwohl sie mir nie einen Augustin abgekauft hat! Zum Quatschen ist sie immer stehen geblieben. Mittlerweile wohnt sie im Pensionistenheim, wo ich sie, aber auch eine andere Freundin mindestens einmal die Woche besuche. Eine der beiden meinte, ich soll mich wieder um einen Mann umschauen, aber ich habe auch immer wieder sehr schlechte Erfahrungen mit Männern gemacht. Zurzeit habe ich von Männern einfach die Nase voll, möchte Ruhe haben und bleibe daher sicher noch länger alleine. - Hin und wieder bekomme ich ja Besuch aus der Steiermark von meiner Tochter und meinem Enkel.
Ich denke oft an früher und möchte öfters die Zeit zurückdrehen können, doch das Leben muss weitergehen. - Das ist meine Einstellung. Zehn Jahre habe ich auf der Straße gelebt, aber daran erinnere ich mich sehr gerne. Wirklich, denn ich hatte damals eine wunderbare Beziehung mit einem Mann, der inzwischen leider verstorben ist. Wir waren uns sehr verbunden und unterstützten uns gegenseitig. Er hat übrigens auch Augustin verkauft.
Dieser Mann stammte wie ich aus Kärnten, und wir wollten zuerst von dort eigentlich nur auf einen Kaffee nach Wien fahren. Wir hatten kaum Geld und Kleidung dabei gehabt, sind aber einfach in Wien geblieben und haben gemeinsam auf der Straße gelebt. Es war eine unbeschwerte Zeit. Natürlich bin ich heute froh darüber, eine Gemeindewohnung zu haben. Im Schlafsack am Silbersee im Dehnepark möchte ich nicht mehr übernachten, schon gar nicht alleine.
Was mir fehlt? Ich hätte gerne einen fixen Arbeitsplatz. Das AMS vermittelt mich meistens nur für ein halbes Jahr zum Heim- und Hausservice vom Hilfswerk. Erst gestern hatte ich dort ein Gespräch wegen einer Anstellung, aber ich habe sie nicht bekommen. Somit kann mich das AMS erst wieder im Juni 2015 hinschicken.