Wolfgang

Die Grünen sollen mich in Ruhe lassen

Wolfgang

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Ich habe eine typische Augustiner-Karriere hinter mir. Mit den Stationen Pflegefamilie, Erziehungsheim und betreute Wohngemeinschaft. Die Pflegefamilie lebte in Sigleß im Burgenland. Ich hab’ zwischendurch auch beim leiblichen Vater gelebt, der hat ebenfalls ein Haus im Burgenland, in Steinbrunn. Der hatte inzwischen eine neue Frau geheiratet, ich will hier nichts sagen über sie. Papa hat mich dann jedenfalls in ein Erziehungsheim in Wien-Hütteldorf gegeben. Hier herrschten strenge Sitten, aber das war irgendwie super für mich, ich will nicht klagen. Ich bin trotzdem kein Hütteldorfer geworden, ich mein Rapid-Fan. Im Gegenteil, ich wurde ein fanatischer Violetter. Meine Laufbahn als Austria-Hooligan begann, mit allem, was dazugehört, Alkohol und Konfrontationen, auch Rechtsradikalismus (Anmerkung der Redaktion: Ein Linker ist Wolfgang auch beim Augustin nicht geworden; so ist das Leben). Das war schließlich auch meinen Betreuern in der Wohngemeinschaft zu viel, sie schmissen mich raus. Ich zog zu einem Freund und trieb mich am Praterstern herum. Direkt bei einem Fanclub war ich nie ein Mitglied; ein paarmal probierte ich, selbst einen zu gründen. Inzwischen lebe ich in einer billigen Gemeindewohnung neben dem Ostbahn-11-Platz in Simmering. Hut ab vor dem Rechtsberater des Augustin, der hat mir das gecheckt.

Vor 13 Jahren bin ich zum Augustin gekommen. Ich war Super-Verkäufer, und zwar darum, weil ich großartig war im Mitleid-Erregen. Ich konnte quasi auf Knopfdruck zum Weinen anfangen. Du glaubst nicht, was die Leute dann hergegeben haben! Aber ich habe viel gebraucht, ich hab viel getrunken, und ich liebte das Wettspiel. Heute bin ich mehr oder weniger befreit von solchen Süchten. Weil ich inzwischen eine Frühpension habe und weil mit das Theaterspielen vor den Kunden auch nicht mehr taugt, habe ich aufgehört mit dem Verkaufen. Meine größten Probleme sind die Einsamkeit und der Umstand, dass mir mein Sachwalter zuwenig von meiner Pension auszahlt. Gegen die Einsamkeit gibt’s ein Mittel: heiraten. Aber ich habe nur enttäuschende Beziehungen gehabt. Der Augustin ist für mich die Chance, unter Leute zu kommen. Ich habe im Fußballprojekt mitgemacht, kann das aber jetzt aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr. Manchmal hab ich Lust, mit den Augustin-Kollegen Tennis zu spielen. Manchmal wird meine Hilfe gerbraucht, zum Beispiel, wenn die Wiener Tafel kommt und das Essen aufgeteilt werden muss. Dass ich beim Augustin ein Violetter unter lauten Grün-Weißen bin, stört mich nicht – solange sie mich in Ruhe lassen. Wenn ich doppelt so viel Taschengeld pro Woche bekäme wie heute, würde ich meine Austria Wien durch ganz Europa begleiten.