Heilt den Weltmeister!

Augustin Theater spielt Achternbusch

article_3972_theater_180.jpg

Als Herbert Achternbusch fünf Jahre alt war, gab ihn seine geliebte, alleinerziehende Mutter zur Oma auf einen Speicher im Bayrischen Wald, zum Schutz, wegen des Zweiten Weltkrieges.

Foto: Mario Lang


Kerstin Kellermann / 13.03.2017
Die Mutter schenkte ihm teure Tubenfarben. Auch nach dem Krieg muss er bei der Oma wohnen bleiben. «Ich erinnere mich, dass ich, wie es mir besonders schlecht ging, bei der Oma oben, mein Gesicht zeichnete … Da sie schon im Bett lag, zeichnete ich bei einer Kerze. An diesem Abend zeichnete ich aus einem Rasierspiegel ununterbrochen mein Gesicht in ein leeres Buch. So lange zeichnete ich, bis mir ein Gesicht gelang, in dem ich mich spürte. Es war eine Erleuchtung: die Zeichnung bin ich, und nicht ich.» Später verbrannte er die Zeichnung. Was für andere Kinder Schnuller oder Teddybär ist – «Übergangsobjekt» eben (so nannte es der Kinderpsychiater Donald Winnicott), war für Achternbusch also die Zeichnung. Doch irgendetwas dürfte seine Mutter doch richtig gemacht haben, denn sein Spielraum zur Kunst hin erweiterte sich unglaublich. Herbert Achternbusch malte, schuf Holzskulpturen und wurde berühmt für seine sehr lustigen Filme. Mit seinem erotischen Jesus mit riesigen Brustwarzen in dem Film «Das Gespenst» schaffte er das Kunststück, dass der Film in Österreich nach einem Urteil des Langdesgerichts Graz bis heute wegen «Herabwürdigung religiöser Lehren» verboten ist.
In «Der Wanderkrebs» wird der dicke Franz Josef Strauß unter der Weltkugel zerdrückt, und alle Toten spielen einfach weiter, mit durchsichtigen Nylon-Capes bekleidet. Bekannt wurde auch Achternbuschs Film «Heilt Hitler»; die NS-Bezüge tauchten schon in seiner Malerei auf: «In Nürnberg ärgerte sich keiner über die kleine Hakenkreuzfahne, die ich in den Birnbaum gemalt hatte, vielleicht war sie zu klein, vielleicht passte sie dazu.»
Ab 18. März spielt das 11 % K. Theater «Der Weltmeister», frei intepretiert nach Achternbusch: Darin geht’s um die «Liebe zum Führer».

Kerstin Kellermann / 13.03.2017