Richtig glücklichsam bin ich

Gespräche mit Werner Schwab

article_3973_gluecklichsam_180.jpg «UNGLAUBLICH, flüstert man, da hast du an etwas anständig, an dich gedacht oder an einen Andererseitsmenschen, und du hast eine gänzliche Zeitschneise voll nurbloß an EINEN Menschen gedacht, hast alle Gegenstände untergeordnet einem strahlungssüchtigen Individuum, um es zu lernen, um dich lernen lassen zu können.»
Lisa Bolyos / 13.03.2017
Als Werner Schwab, Jahrgang ’58, zwölf war, war er einmal im Theater, sagt er auf die Frage, ob er oft ins Theater gehe: in einem Ibsen-Stück, einem langweiligen. Als ich, Jahrgang ’80, dann zwölf war, war ich auch im Theater: in einem Schwab-Stück, «Die Präsidentinnen». Damals gab es diese Jugendtheaterabos, und wo ich meiner Schule nicht sehr viel verdanke, sag ich doch: danke für die Präsidentinnen. Anders als Ibsen für Schwab war Schwab für mich nicht langweilig. «Mir wird’s nicht fad beim Schreiben, es soll einfach niemand fad sein dabei, das ist das Wichtigste.»
Sechzehn Bühnenstücke schrieb Schwab in seiner kurzen Schaffenszeit (Ende 1993 ist er gestorben). Der Droschl Verlag arbeitet daran, sein Werk zugänglich zu machen. Im 9. Band, «Der Mensch, der Schreibmuskel, der Suchtfetzen», steht die mediale Rezeption von Schwab im Vordergrund: Zeitungsartikel und Interviews machen den Hauptteil des Buches aus, es folgen Essays von Schwab selbst, den krönenden Abschluss bildet sein Text «Der Dreck und das Gute / Das Gute und der Dreck», aus dem auch dieser schöne und selbstzufriedene Satz stammt: «Hauptsache abernatürlich: Es ist gut geworden mit mir über mich. Das heißt, ich bin richtig glücklichsam, weil ich es nicht SEIN MUSS.»
Die vielen Interviews, die Schwab in kürzester Zeit gab, sind fraglos von großer Redundanz: Stehsätze übers Theater, wohlgepflegtes Desinteresse an allem und jedem («Ich treffe mich auch nicht gern mit Schriftstellern. Da geht’s ja nur darum, irgendwie herumzusaufen, zu quatschen und zu jammern, man kriegt ständig irgendwelche Resolutionen, die man unterschreiben soll und solchen Mist.»), biografische Details, die auserkoren wurden, ein junges Leben zu umreißen. Aber auch darum ist der Band ein Stück österreichische Theatergeschichte: weil er vom Theaterjournalismus erzählt, der zwischen echtem Interesse und größter Peinlichkeit herumlaviert. «Und jetzt wird man ohne eine eigene körperliche Erlaubnis beschaut, belesen und besprochen. Enorm.»

Werner Schwab:
Der Mensch, der Schreibmuskel, der Suchtfetzen. Gespräche Interviews Essays
Droschl 2016
312 Seiten, 25 Euro

Lisa Bolyos / 13.03.2017