aus dem tagebuch einer arbeitslosen

da wecka klinglt kurz vua sexe
erschrockn foari in die heh
daun foit ma ei i brauch ned aufsteh
weu i jo nimma hackln geh
den wecka loß i trotzdem leitn
damit i ned sein klaung vagiss
seit monatn hob i ka oabeit
i waß goa nimma wia des is
Roswitha Miller / 16.05.2012
togtäglich in da frua des söbe
i lieg im bett und bin höwoch
und übaleg wos i heit wieda
den gaunzn tog allanich moch
hätt i mi domois stü vahoitn
wär i vielleicht ned außegflogn
mit meina oabeit woans jo zfriedn
doch daun hob i den kiazan zogn
und die kollegn haum kla beigebm
bei so vü dummheit wird ma schlecht
a tschob wo i nur kuschn miassat
is sicha ned des wos i mecht

am oabeitsaumt dans mi vatrestn
«sie kriagn scho wos haums nur geduid»
und wenns gaunz schlimm is denk i maunchmoi
vielleicht bin i do söba schuid
des sogn ma oft die wos an tschob haum
und die die oabeitslosigkeit
aus aungst gaunz afoch ignoriern dan:
«es is ka goa so schlechte zeit
des san doch lauta tachiniera
um die moch ma an großn bogn»
wer wird scho gern in die probleme
von fremde leid mit einezogn

jetzt iss glei ochte i muass aufsteh
i ruaf bei a poa firmen au
und frog ob i mi heit womöglich
im lauf des toges vuastön kau
und i vereinboa drei termine
um zehn um zwöfe und um drei
die aundan kaun i ned erreichn
und späda sans eh nimma frei
daun moch i ma a guades frühstück
ram sgschirr weg und des essbesteck
üb schnö im spiagl freindlich lächln
und moch mi schließlich aufn weg

der erste suacht a sekretärin
intelligent flink und erfoan
perfekt in englisch und französisch
und zoin wü er dafia an schmoan
beim zweitn gehts ma ned vü bessa
des is a oida rechtsaunwoit
der wü a tippmamsell die deitsch kau
doch i bin sowieso scho zoid
beim drittn glaub i fost jetzt wirds wos
doch i nimm olles wieda zruck
zum schluss lodt der mi ei zum essn
und frogt ob i die pille schluck
der tog vageht wia olle aundan
die rennerei is sinnlos gwesn
jetzt kauf i ma a neiche zeidung
und tua wieda annonzn lesn
Roswitha Miller / 16.05.2012