Die Fabel von der Gänsemutter

Es war einmal eine Gänsemutter, die hatte sieben Gänsekinder, die sie über alles liebte. Sie hausten in einer schäbigen, düsteren Wohnung. Alle ihre Bemühungen, in einer besseren Behausung unterzukommen, schlugen aus finanziellen Gründen fehl. Und da war noch der Gänsevater. In den Augen der Gänsemutter ein Ungustl, mit dem sie nicht zurechtkam. Sie konnte ihm nichts recht machen, und es war ihr am liebsten, wenn er gar nicht zu Hause war.
Elisabeth Hamberger / 17.03.2015
Daheim war er zwar eh meistens in seinem eigenen Zimmer, wo er sich die meiste Zeit mit einem Bildschirm beschäftigte. Die Gänsemutter rackerte von früh bis spät, um ihrer Familie ein schönes Leben zu bieten, doch es war zu wenig. Keiner war zufrieden. Wenn sie um Mithilfe und Zusammenhalt bat, stieß sie auf taube Ohren. Am schlimmsten aber waren die Auseinandersetzungen mit dem Ganter. Von ihm wollte sie keine Mithilfe. Nur in Ruhe gelassen werden. Denn mit ihm konnte sie nicht auf friedvolle Weise kommunizieren. Alles was sie sagte, wurde vom Ganter gegen sie verwendet. Er war ständig auf Streitsuche. Und wenn er mal loslegte, glich sein Redeschwall einem nicht enden wollenden Wasserfall. Es gab auch kein Entkommen. Er verfolgte sie mit seinen Vorwürfen überallhin. Die Gänsemutter hatte auch Angst vor dem Ganter. Dadurch, dass sie immer kuschte, vermied sie zwar hangreifliche Auseinandersetzungen, aber der Druck in ihrem Inneren wuchs und wuchs, bis sie es eines Tages nicht mehr aushielt und ihm, koste es, was es wolle, sagte, dass sie nicht mehr seine Frau sein wolle. Was darauf folgte, damit hatte sie nicht gerechnet. Sie hatte damit gerechnet, dass es dem Ganter egal sein werde, so wie sie ihm egal war. Oder, dass er in seinem Stolz getroffen explodieren würde und das Ganze in einer furchtbaren Prügelei enden würde. Nichts davon traf zu. Der Ganter war am Boden zerstört. Was die Gänsemutter später noch mehr verwundern wird, wenn sie erfährt, dass er schon seit ungefähr einem halben Jahr eine Affäre hat.
Also trennten sich die beiden mit dem Versprechen, Freunde zu bleiben. Die Gänsemutter beschaffte dem Ganter eine Wohnung in der Nähe, damit ihn seine Kinder immer besuchen konnten. Da nun zwei Wohnungen zu finanzieren waren, wurde die finanzielle Situation für alle Beteiligten immer prekärer. Vater Staat kürzte dem Ganter daraufhin seine Pension. Und der Gänsemutter wurde die Wohnbeihilfe gestrichen mit der perversen Begründung, dass ihr Einkommen zu gering war. Kurz darauf wurde sie beim Jugendamt angezeigt, dass ihre Kinder so dünn wären und nichts zu essen hätten.

Und die Moral von der Geschicht: Verweigere die Anpassung nicht!

Elisabeth Hamberger / 17.03.2015