die rotweinmuse

trübpfützig blickt der tisch
aus telleraugen eins
und noch eins nimmt ihm
die serviererin ein blinder ist
er jetzt der wartet
dass neue gäste
nach ihm tasten
die satten fort die müden
noch nicht da
erst wenn der sonnenwinkel
sagt es ist halb sechs
und schon oktober drängt
spätsonnenstrahl
in meinem rücken
geh hinein
Verena / 28.12.2006
er kennt mich wieder
meine hand auf seinem tuch
wischt fremde krümel fort
taktile pflege zwischen ihm und mir
zwei lang vertrauten
bald blickt er auf
aus einem rotweinglas
sein neues auge jetzt
so rot als hätte er geweint
während er lang gewartet

ich tröste ihn mit einem blatt
papier liebkose ihn mit dem
gekritzel meines stifts
wo küsst die muse besser als
in einem stammkaffee
Verena / 28.12.2006