Hoffentlich gewinnt Rapid ...

Ein Zimmer im Arbeitsmarktservice, vormals Arbeitsamt, irgendwo zu Wien.

Berater: Und?

Heinrich: Hat nicht geklappt ...

B: Warum nicht?

H: Was weiß ich? Wir halten Sie in Evidenz, hieß es. Das Übliche.

B: Die Firma hat bei mir angerufen. Sie hätten sich geweigert, Überstunden zu machen ...

Karl-Heinz Pieler / 08.04.2009
H: Ich wollte bloß wissen, wie viele. Da hieß es gleich: Wir halten Sie in Evidenz.

B: Wenn Sie gefragt werden, ob Sie bereit seien, Überstunden zu machen, haben Sie mit Ja zu antworten. Und nicht mit Wie viele?

H: Wo steht das?

B: Hören Sie! Langsam verlier ich die Geduld mit Ihnen! Sie haben keinen Beruf erlernt, und ...

H: ... und deshalb soll ich den Buckel krumm machen und Scheiße fressen! Mich von Scheiß Personalverleihern von einem Scheiß Job in den anderen jagen lassen!

B: Leiharbeit ist jetzt groß im Kommen. Und sie ist legal.

H: Scheiß Legalität!

B: Das reicht jetzt! So redet niemand mit mir, dem gestern noch der Rotz aus der Nase gelaufen ist! Ich hab hier eine offene Stelle. Wenn Sie in einer Woche wiederkommen, haben Sie sie angenommen. Ohne Wenn und Aber. Oder Sie fliegen aus dem Bezug! Ist das klar?

H: Muss es wohl ...

Heinrich steht auf und geht grußlos aus dem Raum. Wie ein Staffelläufer übergibt er die Klinke dem nächsten Arbeitslosen. Dessen Hand zittert, dann fällt die Tür ins Schloss.
Hoffentlich gewinnt Rapid, denkt Heinrich.


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Mutter: Und? (Sie blickt fragend)

Heinrich: Nichts ...

M: Mach dir nichts draus ...

Vater: Sollte er aber! Mit seiner Einstellung wird er nie zu einer Arbeit kommen!

H: Was hab ich denn für eine Einstellung?

V: Du lässt dir nichts sagen, ordnest dich nicht unter, bist aufsässig! Und arbeitsscheu!

H: Arbeitsscheu ...

V: Ja! Wärst dus nicht, hättest du schon längst eine Arbeit! Wer wirklich arbeiten will, der findet sich eine! Und er behält sie auch! Ich bin schon seit mehr als 20 Jahren bei meiner Firma!

H: Meine Firma, meine Firma!, wenn ich das schon höre! Es ist die Firma dieses Gonzigs! Und wenn du nicht mehr schnell genug die Leiter hochkommst, wird er dich abservieren, einfach so!

V: Hörst du das, Martha? Dafür hab ich ihn in die Welt gesetzt! Um mir so etwas sagen lassen zu müssen!

H: Und dafür bin ich dir auch dankbar, Vater! Dafür, dass du mich in diese Scheiß Welt gesetzt hast!

V: Gib nicht dauernd der Welt die Schuld! Wärst du in der Schule nicht so faul und so ...

H: So was? Dumm? Sags ruhig, Vater! Wo du Recht hast, hast du Recht! Ich bin dumm! Dumm, dumm, dumm! Und weil ich dumm bin, muss ich arm sein! Arm, arm, arm! Die Schlauen werden reich, und die Dummen bleiben arm! So ist das!

Heinrich stürmt aus dem Haus. Der Vater schreit ihm irgendetwas nach, aber es kümmert ihn nicht. Hoffentlich gewinnt Rapid, denkt er.
Karl-Heinz Pieler / 08.04.2009