Jella Jost verWEILLt

Aus der KulturPASSage

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Vom 27. Februar bis 11. März veranstaltete das Theater in der Drachengasse zum 12. Mal «Spurwechsel – das theatralische Musikfestival», jeden Tag traten andere Künstler_innen auf.

Am 3. März war Jella Jost mit einem Konzert mit dem Titel «Das Meer ist so blau.

Eine Brecht-Weill Performance» an der Reihe.

Foto: Walter Mathes


Traude Lehner / 12.03.2017

Das musste ich unbedingt sehen, denn ich bin ein Brecht-Weill-Fan. Was mich besonders freute, war, dass mein Mann und ich 2 Pressekarten bekamen. Die Aufführung verzögerte sich zwar um 20 Minuten, dafür wurden wir von der Performance, die Jella Jost auf die Bühne brachte, belohnt. Sie hat eine fantastische Stimme. Da sie die Lieder auf ihre eigene Art singt, klangen die Songs, die ich bis auf einen alle kannte, verfremdet, aber wunderschön. Sowohl der Pianist Harald Huber als auch Maria Düchler am Akkordeon und der Co-Regisseur Walter Mathes waren beeindruckend. Besonders Mathes bewunderten wir. Während Jella sang, malte er auf einen roten Vorhang im Hintergrund, später las er einen wunderschönen Text vor, und währenddessen malte er auch noch. Jella erzählte, dass ihre Mutter mit Brecht arbeitete, aber das Einzige, was sie je preisgab, war, dass man mit ihm gut arbeiten konnte, aber privat war er ein Schwein. So viel zu Brecht. Jetzt komme ich zu Weill, er wurde in Deutschland in einer jüdischen Familie geboren, mit Brecht komponierte er nicht nur die Dreigroschenoper, sondern mehrere Stücke, bis er 1933 zuerst nach Paris ging, wo er große Erfolge feierte. Später emigrierte er in die USA, wo er blieb und die amerikanische Staatsbürgerschaft annahm. Das alles wusste ich, doch dass er so viele Opern, Musicals, Ballette und wunderschöne Songs komponierte, die von allen großen Sänger_innen gesungen wurden, wusste ich nicht, auch nicht, dass er einer der erfolgreichsten Komponisten in Amerika war.

1950 starb er, aber seine Musik wird ewig bleiben.

Doch nun zurück zu Jella: Als sie das letzte Lied gesungen hatte, riefen alle «Zugabe». Sie kam zurück mit einem Akkordeon und sang noch einige Lieder, und bevor endgültig Schluss war, erinnerte der Pianist das Publikum, dass man das Akkordeonfestival nicht vergessen soll. Zu Ehren von Friedl Preisl, dem Organisator des Festivals, hatte er ein Lied komponiert und getextet, das er nicht nur am Piano spielte, sondern auch sang. Es war ein schöner Schluss für den wunderbaren Abend. Mein Mann und ich waren begeistert von der Darbietung, außerdem habe ich viel über Brecht-Weill gelernt, was ich noch nicht wusste.


Traude Lehner / 12.03.2017