Lyrik von Cornelia Stahl

Friedensgruß

In eisfreien Zeiten

keimt heimlich die

Hoffnung unter der

Schneeschicht empor

dass am Ende mehr bleibt

als ein vertrockneter

Friedensgruß



Cornelia Stahl / 30.01.2017

Tatoo


Und diesem Anfang wohnt ein Zauber inne

kritzelte er auf seinen linken Arm

brannte wieder und wieder

feine Skizzen mit blauen Gleisen ein Netz

noch ahnte die letzte Umarmung nichts

von Seilschaften leise

leichtherzig wollten sie Weihnachten

feiern ihr Wiedersehen

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Platz da!

Und hier ist noch

Platz für

ein Gedicht

für eine Zeile oder

auch zwei gegen

gegen die Angst

gegen die Zweifel

gegen die Schwarz-Weiß-Malerei

gegen die zerfressende Ohnmacht

gegen die Sprachlosigkeit gegen die

du manchmal anrennst und dir dabei

die Stirn blutig schlägst bis

Menschen um dich herum

aufblicken von ihren Smartphones

unterbrechen für eine Sekunde

schillernde Selbstoptimierungversuche


Aus: Cornelia Stahl. Anfangen. Jetzt. Mittendrin.

Engelsdorfer Verlag, Leipzig 2016


Cornelia Stahl / 30.01.2017