Mein größter Gegner bin ich selbst

Aus den Aufzeichnungen eines Augustin-Verkäufers

Thema des vorigen Abschnitts war das Flüchtlingsheim, in dem ich wohne. Ich möchte noch auf die Verhaltensregeln im Heim zurückzukommen. Wir dürfen beispielsweise nicht öfter als 3 Nächte pro Woche auswärts übernachten. Wenn du nach 22 Uhr abends heimkommst, musst du 2 Euro bezahlen. Es ist nicht erlaubt, Alkohol oder Drogen im Heim zu konsumieren. Keine Raufereien, Streitereien oder laute Musik nach Mitternacht und so weiter und so fort. Für mich erscheinen diese Regeln vernünftig, um ein friedliches Zusammenleben zu ermöglichen.
Nwokocha Philips / 20.06.2007
Und man darf nicht vergessen, dass jeder von uns sich gewissen Regeln unterwerfen muss, staatlichen Gesetzen, Vereinbarungen am Arbeitsplatz oder der Schulordnung, aber im Eigentlichen sollten wir den Regeln der Humanität und des Gewissens, der Richtigkeit, die aus unseren Herzen kommt, folgen.

Ich möchte noch erwähnen, dass ich hier in Wien auch einer Kirchengemeinde angehöre. Ich besuche die Kirche immer am Montag und Donnerstagabend und am Sonntag. Und dort treffe ich ebenso auf wunderbare, liebevolle Menschen. Für mich ist es sehr wichtig, in die Kirche zu gehen, denn für mich ist die Kirche die Verkörperung von Christus.

Und jetzt meine Gedanken zur Einstellung des Menschen. Was ist das? Es ist einfach die Art, wie sich ein Mensch den anderen Leuten gegenüber verhält. Es ist einfach eine Denkweise. Die Einstellung eines Menschen bestimmt seine Höhen und Tiefen. Das ist sehr wichtig, denn die Einstellung bringt uns im Leben vorwärts, beflügelt uns im Job und erhöht unser Verständnis für andere. Nur durch die richtige Einstellung können wir wachsen und gedeihen.

Einem jungen Verkäufer zum Beispiel, der in seinem Geschäft steht und immer freundlich zu seinen Kunden ist, sie respektiert und ihnen seine Wertschätzung zeigt, immer mit einem Lächeln auf den Lippen, kann Erfolg prophezeit werden, weil sein Verhalten dem Kunden Vertrauen einflößt. Mit so einer Einstellung ist der Himmel nicht deine Grenze, damit wirst du über den Himmel hinausragen. Warum? Weil ein glückliches und fröhliches Gesicht die Leute einfach anzieht.

Die andere Sorte Mensch hat immer an allem etwas auszusetzen. Niemand kann es ihnen recht machen. Mehr noch, sie geben auch immer den anderen die Schuld für ihre eigenen Fehler. Sie suchen die Fehler der anderen geradezu immer und überall. Aber ich sage euch, mit dieser Einstellung kommt man nicht weit. Damit wird man am Ende nur depressiv und fühlt sich selbst miserabel. Das kann sich auch auf die Gesundheit schlagen. Wir sollten also immer darauf achten, was wir tun und wie wir es tun. Aber mit der richtigen Einstellung werden wir sicher jede miese Situation überleben und können daraus sogar wachsen. Vergesst nie, oft will euch das Leben zum Opfer machen, aber wenn ihr es richtig angeht, werdet ihr die Opferrolle ablegen und als Sieger hervorgehen.

Damit will ich sagen, egal wie hoffnungslos manches aussieht, wenn ihr darauf mit einer mutigen Einstellung zugeht, werdet ihr eine Lösung finden.

Ich kann auch verstehen, dass die Leute sich vor Kritik fürchten. Doch ich würde behaupten, eine Person mit der richtigen Einstellung muss sich auch davor nicht fürchten, denn mit einer positiven Haltung kann man aus jeder Kritik einen Vorteil für sich ziehen. Menschen dieser Art akzeptieren die Kritik und zerbrechen daran nicht. Diese Einstellung trägt dazu bei, den Betroffenen eine Stufe höher zu stellen, denn er setzt sich hin, analysiert sein Leben und findet heraus, in welchen Punkten er sich ändern muss. Er akzeptiert seine Fehler und korrigiert sie, um einen Schritt vorwärts zu machen. Ich möchte an dieser Stelle auch einwerfen, dass manchmal Leute sich in dem Glauben wiegen, uns zu kritisieren, aber ohne es zu wissen machen sie eigentlich dadurch Werbung für uns. Vergesst nie, dass die öffentliche Meinung nie permanent gleich bleibt. Wir sollten vor Kritik nicht zurückschrecken. Ob in der Politik, Religion, in der Gruppe, im Job, im Geschäft oder sonst irgendwo Kritik wird immer auftauchen, aber wenn wir damit richtig umgehen, wird sie uns nützlich sein. Um auf das Temperament der Menschen zurückzukommen, ich möchte das noch ein wenig erklären, wie man die Leute zuordnen könnte.

Ein Sanguiniker ist immer glücklich und versteht Spaß, neigt aber zur Vergesslichkeit. Er liebt Partys und Feste, ist ein offenes Gemüt, macht viele Versprechungen (seinem Ehepartner, den Kollegen oder Freunden), ohne sie jemals zu erfüllen. Er schiebt Dinge gern auf, ist immer freundlich und teilt alles, was er besitzt, gerne, er ist sehr großzügig. Vergesst nie, einer großzügigen Person fehlt es an nichts!

Ein Choleriker ist ein komplett anderer Charaktertyp, er arbeitet meist sehr hart, kümmert sich um seine Familie, neigt aber zur Rache, wenn ihm unrecht getan wird, verzeiht nur sehr schwer und ist eine sehr konservative Person. Er zeigt Führungsambitionen und trifft oft Entscheidungen allein, ohne jemand anderen mit einzubeziehen. Er ist sehr stark und mutig.

Der Melancholiker ist ein langsames, ruhiges Gemüt, niemals fröhlich und immer depressiv, ist nicht sehr selbstbewusst und glaubt nicht an sich selbst, ist immer pessimistisch. Er neigt zur Hoffnungslosigkeit, ist oft kurzsichtig.

Phlegmatiker ähneln ein wenig dem Sanguiniker, sind manchmal traurig und mögen es nicht besonders, sich unter die Leute zu mischen, sie gehen alles sehr langsam und vorsichtig an, wirken entscheidungsschwach, argumentieren hin und her und schieben die Dinge auf. Für sie hat alles zwei Seiten, was die Entscheidung erschwert.

Den Stolz überwinden ...

Vergesst nicht, dass manche Leute auch zwei oder drei Temperamentszüge abwechselnd zeigen können. Ich glaube, der Mensch hat jederzeit das Recht, sein Schicksal zu bestimmen, wenn er wirklich will. Ein Mensch kann sich selbst gegenüber der größte Feind sein, eigentlich möchte ich es sogar so ausdrücken: Jeder Mensch ist sein eigener Feind.

Was ich damit sagen will, ist, dass wir genau wissen, was wir im Leben zu tun haben, aber aufgrund von Ängsten sind wir nicht stark genug, die entsprechende Entscheidung zu treffen, das Richtige zu tun. Wir wissen verdammt gut, was die Lösung des Problems wäre, und verzweifeln, weil wir es einfach nicht schaffen. Somit sind wir selbst unser eigentlicher und größter Gegner.

Da war dieser junge Mann, der mit uns zusammen im Flüchtlingsheim lebte und von der Polizei wegen Drogenhandels auf der Straße verhaftet wurde. Er wurde bald wieder auf freien Fuß gesetzt und nach einigen Tagen fing er wieder mit dem Drogengeschäft an und wurde erneut von der Polizei aufgegriffen. Diesmal wurde er zu einer längeren Gefängnisstrafe verurteilt.

Daran sehe ich einmal mehr, dass ein Mensch sein eigener Feind sein kann. Manchmal werden wir bewusst oder unbewusst in Dinge verwickelt, die uns zerstören.

Um es nochmals zu wiederholen: Ein Mensch kann sich nur selbst im Weg stehen. Ein anderer kann vor der schrecklichsten Situation stehen und wird sie zu seinem Vorteil nutzen. Der mit der richtigen Einstellung wird weiterkommen.

Lasst uns also mit dem Jammern und Klagen aufhören und mehr an uns selbst glauben, dann wird sich alles für uns zum Guten wenden. Ich weiß, kein Mensch ist perfekt oder bereits als leitendes Vorbild geboren. Aber ich denke, die Vorbildfunktion kann erlernt werden, man kann es sich angewöhnen. Man muss nur sein Alltagsleben näher beleuchten und sich selbst beobachten.

Ich hörte manche Leute über mich sagen, dass ich so wie eben beschrieben bin, und ich denke, das wird sich nicht ändern. Ich würde meinen, dass die Einstellung oder Lebensweise, die man lebt, nicht primär dazu dient, anderen zu gefallen. Wenn aber drei Viertel der Leute, auf die du triffst, sich über deine Verhaltensweise beschweren, dann nimm dich zusammen, wirf den Mantel deines Stolzes ab und ändere dich. Wir alle haben unseren Stolz. Aber der Mann oder die Frau, die im Leben etwas erreichen wollen, muss den Stolz über Bord werfen und über gewisse Veränderungen ernsthaft nachdenken.

Wer seinen Stolz überwunden hat, steht bereits an der Schwelle zum Erfolg. Denn Stolz ist ein riesig großes Hindernis, und oft merken wir das gar nicht.

Wird fortgesetzt. Zuletzt erschien eine Folge in Ausgabe Nr. 203.

Nwokocha Philips / 20.06.2007