Texte für Adrian

Lieber Adrian !

Es ist gut, dass du mir gezeigt hast, dass du beim Einschlafen gar keinen Abstand willst zwischen unseren Polstern: da können wir uns vorstellen, dass auch wirklich kein Abstand zwischen uns ist so, als wärst du in mich hineingekrochen und zugleich ich in dich derart, dass wir beide ein einziger geworden sind:
SOHN PAPA und PAPA SOHN
oder besser noch ohne und:
SOHN PAPA PAPA SOHN
oder
PAPA SOHN SOHN PAPA,
was ja, wie du siehst, beinhaltet, dass wir auch wieder auseinander hervor kriechen können, uns wiederum auseinander setzen können, damit jeder für sich auch das tun kann, was er alleine ganz besonders gut kann und ganz besonders gerne tut:
Du: stehen wir auf?
Ich: ja, das können wir.

Texte für Adrian 23. 10. 2005

Ernst Kostal / 14.09.2006

Heute kommt die Sonne raus
auch wir laufen aus dem Haus,
uns in ihrem Licht zu wärmen
und im Freien auszuschwärmen,
uns in ihrem Strahlenreigen
auch einander zuzuneigen.

21. 1. 2006


gfruarane hundstrümmaln:
wons hoat gnua gfruan san,
konst sogoa einitredn,
ohne dassd da
in schas eitrittst.

3. 2. 2006


oeso won da amol
da mogntee
am mogn gehd,
des is don scho boed
des stadium vuam stadium
ollas zspäd.

28. 7. 2006


Eine Lanze für den Wahnsinn

Ich bin der Wahnsinnssymposions-Kostal, kurz auch Wahnsinns-Kostal genannt. Manchmal hängt mir der Wahnsinn schon beim Gnack heraus. Besser aber, denke ich, er hängt mir beim Gnack heraus, als er hält mich besessen besetzt und ich bin nicht der Rahmen meiner Zustände, sondern der Wahnsinn hat diese integrative Funktion der Person übernommen. Andererseits, denke ich, bin ich dem Wahnsinn auch dankbar. Denn er hat, nachdem es mir gelungen war, mich ihm zu entziehen, ihn hinter mir zu lassen, wenn ich es genau bedenke, eine integrative Aufgabe, meine Person betreffend, erfüllt. Er hat mich aufmerksam gemacht auf sehr wichtige Teile meiner Person, die mir sonst verborgen geblieben wären, weil ich sie krampfhaft vor mir verborgen zu halten versuchte. Diese Teile meiner Person haben sich gegen meinen angstvollen Willen, sie von mir ausgesperrt zu halten, eines Tages in mir Durchbruch verschafft: das war der Wahnsinn! Erst als es mir gelang, ihm und den Gefühlen, die mich in ihm überschwemmt hatten, aus mir fortgerissen hatten, einen Platz in mir zuzuweisen, konnte ich beginnen, die ganzheitliche Funktion, die er in meiner Lebensgeschichte erfüllte, ihrem Stellenwert, ihrer Wichtigkeit entsprechend zu würdigen. Also ist das mit dem Mir-beim-Gnack-Heraushängen des Wahnsinns nicht so ernst zu nehmen. Ganz im Gegenteil: wie gesagt: ich bin durch den Wahnsinn mehr ganz geworden, zu einer ganzheitlicheren Person geworden, als ich es ohne ihn jemals hätte werden können.

19. 1. 2006


Hinweis des Autors:

Die Gruppe "aktiviert statt alkoholisiert" trifft sich jeden Donnerstag zwischen 18.00 und 20.00 Uhr in der Schönbrunnerstr. 4 (pro mente Selbsthilfegrupppenbüro). Wir haben noch Platz für Menschen, denen ihr Alkoholkonsum zum Problem geworden ist, und versuchen in der Gruppe, gesprächsweise Hilfestellung zu bieten zur Stärkung des Selbstbewusstseins der InteressentInnen gegen die Sucht. Leitung der Gruppe: Fritz Zachhuber und Ernst Kostal.

EigenSinn-Theatergruppe: Treffpunkt nach der Sommerpause ab Oktober jeden Mittwoch von 19.00 bis 22.00 Uhr in der Grüngasse 1 A. Auch die Theatergruppe sucht noch in jeder Hinsicht (polit-)theatralisch
Interessierte (Laien)-SchauspielerInnen, TexterInnen... oder einfach ZuschauerInnen.

Ernst Kostal / 14.09.2006