Unsere Gesellschaft verroht - na und!?

Der Wiener und die Wienerin sind ja mit den politischen und wirtschaftlichen Zusammenhängen nicht nur national, sondern auch international quasi per du. Es ist eine Freude zu sehen, zu hören und zu spüren, wie groß die Leidenschaft ist, wenn es darum geht, dem Gegenüber mitzuteilen, wie schlecht alles sei und welch Idioten überall das Sagen hätten. Natürlich ist es eine Frechheit, dass die da oben auf Staatskosten irgendwo hin zu einem G20-Gipfel fliegen, um bei einem guten Essen die Probleme unserer Zeit zu erörtern, weil lösen können sie diese ja eh nicht. Der Obama und der Faymann sollen lieber zum Heurigen nach Stammersdorf gehen, um dort gemeinsam mit der Merkel und dem Sarkozy beim Bauernschnapsen über die Wahnsinnspreise des grünen Veltliners nachzudenken.
Flugsaurier / 20.05.2009
Die neue Weltwährung sollte also weder der Dollar noch der Euro, sondern etwas Praktisches sein also etwas, das jeder braucht logischerweise der grüne Veltliner. Alternativ könnte auch der G'spritzte dafür herhalten.

So einfach geht es also in Wirklichkeit. Problematischer wird es allerdings bei den unlösbaren Problemen. Beispiele gefällig? Drei Kinder schlagen bei der Busstation auf ein anderes ein. Ein paar Jugendliche werfen mit Äpfeln auf vorbeifahrende Autos, ein Mann schlägt in der Öffentlichkeit seine Frau, ein alter Mann gibt seinem Hund in der Fußgängerzone einen Fußtritt.

Leider reagieren viele von uns in diesen Situationen gar nicht. Angst, dass einem selbst etwas passiert, es geht einem ja eigentlich gar nix an, und die Aussage: Da mischt man sich nicht ein, sondern geht schnell weiter liegen im Ranking ganz weit oben. Bei Kleinigkeiten kann man durchaus selbst seine Meinung kundtun und einschreiten. Einen anderen auffordern, gemeinsam etwas zu unternehmen, ist die zweite Variante. Für schlimmere Fälle sollte man nicht zögern, sein Handy zu benutzen, um die Polizei anzurufen (die Notrufnummer ist kostenlos).

Kinder und Jugendliche brauchen einfach mehr Grenzen. Zu Hause wollen die Eltern nicht die Bösen sein und erkaufen sich lieber die Liebe ihrer Kinder. Vielleicht ist es auch gar nicht wirklich Liebe, die die Eltern von ihnen wollen, sondern einfach nur Ruhe. Da ist es natürlich leichter und bequemer, z. B. im Supermarkt nachzugeben, um dem trotzigen Kind seine Schokolade zu kaufen, als sich den unangenehmen und bösen Blicken so mancher lieben Mitmenschen auszusetzen. Aber ein Kind wird nun mal älter, und die Ansprüche steigen wie es seinen Willen durchsetzt, hat es ja bereits früh gelernt. Warum also sein Verhalten ändern?

Die Ausdrucksweise und das Verhalten vieler Kinder und Jugendlicher sind so, als würden sie soeben aus einem billigen Gangsta-Rap-Video entsteigen. Dass Typen wie Bushido, welche ein Vorbild für Gewaltverherrlichung sind, überhaupt im Fernsehen auftreten und ihren Mist per Video anbringen dürfen, ist geradezu eine Zumutung. Aber so lange es der Quote zuträglich ist, dürfen beinahe Totschläger im Jugendprogramm halt nicht fehlen.

Es ist allerdings nicht die Schuld der Kinder, sondern die der Erwachsenen. Wo bleibt denn die Vorbildwirkung? Daheim wird kaum noch miteinander geredet, und eine gemeinsame Mahlzeit findet auch sehr selten statt. Die Kleinkinder dürfen im Fernsehen fast alles sehen Hauptsache es ist Zeichentrick. 2-Jährige sehen da also bereits Zeichentrickserien, in denen gemordet wird natürlich für die gute Sache und um den Planeten vor den Bösen zu retten. Wenn die lieben Kleinen dann ein bisserl größer sind, gehts dann ab vor dem PC. Dort wird es ihnen dann noch leichter gemacht. Ohne Kontrolle haben sie freien Zugang zu allem, was sie wollen zu wirklich allem. Die Debatte über die Killerspiele ist dagegen geradezu lächerlich. Man will die Killerspiele verbieten? Wozu? So lange im Real Life die Uniform eines Soldaten den Mann erst so richtig fesch macht und die Zeit beim Heer ihn überhaupt erst zum Mann macht (eigentlich dachte ich immer das funktioniert anders), der neue Abfangjäger echt geil ist, die Raketen ein Wunderwerk der Technik sind, die tapferen Wilderer einen kapitalen Hirsch dank eines Zielfernrohres aus 200 Meter erschießen können, die Amokläufer in der Zeitung mit Foto gezeigt und mit Namen genannt werden, so lange braucht man auch keine Debatte über Killerspiele führen es wäre heuchlerisch.

Jeder Einzelne von uns kann die Gesellschaft ändern. Lasst uns in der Familie beginnen, indem wir wieder mehr Zeit sinnvoll miteinander verbringen. Danach laden wir die Nachbarn auf einen Kaffee ein, und im Sommer gibts bestimmt die Möglichkeit, mit sämtlichen Hausbewohnern zu grillen. Besseres Kennenlernen, mehr Verständnis für die Bedürfnisse anderer und ein herzlicherer Umgang untereinander wird die Folge sein. Also traut euch und beginnt mit dem ersten Schritt. Wie heißt es so schön? Selbst der längste Marsch beginnt mit dem ersten Schritt.

Und mein größter Wunsch lautet: Hütet euch vor der Gleichgültigkeit!

Herzlichst euer
Flugsaurier
Flugsaurier / 20.05.2009