Bye bye, öffentlicher Raum

Für 150 Jahreskarten gibts eine U-Bahn-Station

article_2051_augustin_328_oeffraum_180.jpg Na gut, seit Mai gibt es die Jahreskarte um 365 Euro. Wurde auch Zeit. Dafür haben sich die Preise für Einzelfahrten wieder erhöht: 2 Euro im Vorverkauf, 2,20 Euro im Fahrzeug selbst.
Wer bei den Wiener Linien keine Fahrt, sondern gleich eine ganze U-Bahn-Station erwerben will, muss den Gegenwert von 150 Jahreskarten berappen und bekommt sie. Zumindest für die Dauer eines Monats.

Maya McKechneay / 19.09.2012
«Station Branding» lautet das Schlagwort und bedeutet «die Totalgestaltung einer U-Bahn-Station als Erlebnis- und Markenlandschaft» (Zitat Gewista-Homepage).
Gewista-Generaldirektor Karl Javurek ist sich in einem Pressetext sicher, dass das Bekleben einer ganzen Station mit Werbefolie einen Mehrwert für alle Beteiligten bringe: «Die U-Bahn-Stationen werden aufgefrischt, attraktiver und abwechslungsreicher, was nicht zuletzt das subjektive Sicherheitsgefühl der Passanten stärkt.»
Warum ausgerechnet die Auskleidung der unterirdischen Fläche mit schwarzer Folie (siehe Beispiel «Converse») das Sicherheitsgefühl stärken soll, führt Javurek nicht näher aus. Häufig werden bei diesen Aktionen sogar Hinweistafeln mit Richtungsangaben (U3 Richtung Ottakring oder Simmering?) überklebt.
Fürs Station Branding buchbar waren 2008 sechzehn U-Bahn-Stationen, 2012 sind es schon achtzehn (Stephansplatz, Karlsplatz, Schwedenplatz, Neubaugasse, Westbahnhof, Wien-Mitte, Kagran, Kagraner Platz, Reumannplatz, Keplerplatz, Donauinsel, Praterstern, Stadion, Schottenring, Zieglergasse, Messe, Krieau, Stubentor). Tendenz steigend.
Wers zügiger liebt, kann eine ganze U-Bahn-Garnitur in Folie hüllen. Kosten: ab 20.000 Euro. Gleiches ist auch mit den neuen, oberflächengeglätteten Niederflurstraßenbahnen möglich. Der Autorin sind mehrere Personen bekannt, die ihre Aussteigestation verpassten, weil sie in der überfüllten Tram durch die nur angeblich durchsichtigen Folien nicht richtig nach draußen sehen konnten. Tja, liebe Fahrgäste, wers außen farbig liebt, muss leiden.
Wir schlagen darum vor: Warum nicht auch die Fahrerinnen und Fahrer miteinbeziehen und in Fantasieuniformen als Meister Proper, Käptn Iglu oder Lego-Männchen stecken? Mit lustigen Werbedurchsagen könnten sie unterwegs das Klima an Bord «auffrischen». Mini-Werbescreens werden in den Zügen ja bereits getestet. Derzeit noch ohne Ton.
Maya McKechneay / 19.09.2012