Dannebergpredigt: Die Würde ist antastbar

Ken Loach, der trotzkistische Regisseur, der für sein sozialistisches Engagement bekannt ist, führt in seinem jüngsten Film «Ich, Daniel Blake» wie in einem Brecht’schen Lehrstück vor, was der Neoliberalismus aus Menschen macht.
Bärbel Danneberg / 31.01.2017
Der verwitwete Zimmermann Blake (Dave Johns) hat sein ganzes Leben lang brav gearbeitet, Steuern bezahlt und sich anständig verhalten. Nach einem Herzinfarkt ist er plötzlich auf Sozialhilfe angewiesen. Der Staat will sie ihm nicht gewähren, weshalb er sich schon bald in einem Teufelskreis aus Anträgen, Bestimmungen und Zuständigkeiten befindet. Die Alleinerzieherin Katie (Hayley Squires) ist in einer ähnlich aussichtslosen Lage. Ken Loach rückt diese beiden Figuren als Mahnmal gegen die neoliberale kapitalistische Verwertungslogik à la Thatcher in den Vordergrund und öffnet den Blick für das Ringen dieser Menschen um Würde, das Allerletzte, was ihnen bleibt.
In ihrer Ansprache zu den Golden
Globes 2017 schilderte Meryl Streep die Szene einer Pressekonferenz, in der der neue US-Präsident Donald Trump einen behinderten Reporter nachgeäfft hatte. Diese «Performance» habe ihr Herz gebrochen – ein Mann, der einen anderen demütigt und entwürdigt, dem er, was Privilegien, was Macht und die Möglichkeit zurückzuschlagen angeht, so weit überlegen ist. Meryl Streeps vielbeachtete Rede noch vor der Angelobung des neuen US-Präsidenten war ein Appell, sich nicht mit den Niederträchtigkeiten der Starken gegenüber Schwachen abzufinden. Ein würdiger Aufruf.
Millionen Menschen auf der ganzen Welt, von Washington über London, Sydney, Frankfurt bis Wien, vereinten sich zu «Women’s-March»-Protestmärschen gegen die Angriffe des US-Präsidenten auf Sozialabbau, Frauen- und Minderheitenrechte. Die Würde der Frauen ist antastbar. «Auch Grapscher sind Täter, Mr. President», meinte Brigitte ­Horny­­ik vom «Frauenring»-Vorstand in ihrer Rede vor Tausenden «Women’s March»-Teilnehmer_innen in Wien. «Die Würde des Menschen ist unantastbar» (Artikel 1 des Deutschen Grundgesetzes). Darum würden wir kämpfen – eine Möglichkeitsform? Eine Entscheidung!

Bärbel Danneberg / 31.01.2017