Das Schöne im Alltäglichen

Augustiner Rainer Krispel

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Beim Schreiben und beim Singen vor Menschen erlebe ich die für mich größte Stimmigkeit. Ich würde gerne mehr schreiben, denn mit Sprache abbilden und dafür Feedback erhalten ist super.

Foto: Mario Lang


/ 14.02.2017
Geschrieben habe ich immer schon gerne, sogar in der Schule, und der Gewinn eines Jugendliteraturpreises der Stadt Linz war ein großer Triumph.
Meine Sozialisation sind Punk und Hardcore. Ich bin aber in vielen Musikbereichen tätig gewesen, habe selber Musik gemacht, veranstaltet, in Ansätzen und ruinös Musik verlegt, also kurz ein Label betrieben, das Unternehmertum ist mir ähnlich fremd wie das Künstler-Subjekt.
Als vom Augustin die Anfrage für eine Musikartikelserie gekommen ist, dachte ich mir, ‹Musikarbeiter unterwegs› wäre passend, der Begriff «Musikarbeiter» – in Nähe zu sozialistischem Gedankengut – drückt für mich etwas Alltägliches und das Schöne darin aus, nämlich das Arbeiten mit Selbstbewusstsein. Weg von einem übersteigerten und vom Leben abgehobenen Kultur-Begriff.
Beim Augustin geht es um Ränder der Gesellschaft und um Solidarität. Das ist ein Umfeld, wo ich mich pudelwohl fühle. Es ist nicht sinnbefreit und nicht abgehoben, wie beispielsweise die ästhetisch wunderschöne Elbphilharmonie in Hamburg, über die man aber noch mehrere tausend Seiten Randbemerkungen machen müsste.
Orientierungs- und Perspektivenlosigkeit in meiner Linzer Situation, denn mir fehlten die Vorraussetzungen fürs Studium oder der Wille zur beruflichen Selbstverwirklichung, und der Zufall führten mich nach Wien. Ich bin eigentlich nur zum Abhängen gekommen, doch mir wurden ein Job und eine Wohnung angeboten. Die ersten Jahre waren nicht leicht.
Nach der zuletzt ehrenamtlichen Obmannschaft der Arena (des Trägervereins des Kulturzentrums in der Baumgasse, Anm.) orientiere ich mich jetzt neu. Interessant wäre der soziale Bereich, das nicht durch Kunst und Kultur geprägte Arbeiten mit und für Menschen.
Seit September ist mein Sohn unter der Woche bei mir in Wien, seine Mutter lebt in Oberösterreich. Diese Vaterrolle muss ich noch ein wenig finden, aber es ist eine Herausforderung, die viel Sinn macht und wichtiger als die Musik ist.
/ 14.02.2017