«FünfzehnSüd»

Foto-Projekt über den Süden eines «überschätzten» Bezirks

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Die Schlagzeilen über den 15. Wiener Gemeindebezirk  titeln von «Der Fünfzehnte, Wiens ungeliebter Bezirk» (Die Presse, 2007) über «Volle Härte gegen Straßenstrich» (ORF, 2011), «Rudolfsheim-Fünfhaus folgt Ottakring in Sachen Gentrifizierung» (Wiener Zeitung, 2011) bis zu «Rudolfsheim-Fünfhaus: Der überschätzte Bezirk» (Die Presse, 2015).

Foto: www.fuenfzehnsued.weebly.com


Carolina Frank / 31.08.2016
Setzt man diese Überschriften auf einen Zeitstrahl, wird schnell klar, wie sich das mediale Bild des Bezirks in den letzten zehn Jahren verändert hat. Doch wie nehmen diese Entwicklungen eigentlich die Menschen wahr, die in Rudolfsheim-Fünfhaus leben und arbeiten, ihre Freizeit dort verbringen? Welche Orte frequentieren sie? Und wie gestalten die Bewohner_innen «ihren» Bezirk? Mit einem Fokus auf den südlichen Teil des Bezirkes zwischen Westbahnstrecke und Wienfluss im Norden und Süden sowie Gürtel und Auer-Welsbach-Park im Osten und Westen wird diesen Fragestellungen in der Fotoausstellung «FünfzehnSüd» nachgegangen. Ausgangspunkt sind die Bewohner_innen und ihr Lebensalltag sowie Vereine und Initiativen, die sich im Bezirk engagieren. Ich fotografierte sie in ihren Wohnungen, an ihren Arbeitsplätzen oder an selbstgewählten Orten im Bezirk.
Mit einer analogen Einmalkamera ausgestattet wurden die Bewohner_innen in einem weiteren Schritt selbst zu Akteur_innen mit dem Auftrag, ihren Alltag im Bezirk zu dokumentieren.
Die dabei entstandenen Bilder waren das Ausgangsmaterial für Interviews, die ich mit den Bewohner_innen über die von ihnen fotografierten Orte führte. Dass es da auch unter den Grätzelbewohner_innen sehr unterschiedliche Wahrnehmungen gab, wurde schnell klar: der Schwendermarkt einmal als Treffpunkt für «eine lebendige und sichtbare Nachbarschaft» (Filip Govaerts, 2015) oder, wie Erika Sehner sich nicht nehmen lässt zu verlauten, «der Schwendermarkt ist eine Mistgstättn, das hat von einem Markt überhaupt nichts. 20 Jahre schreibt der Zatlokal [Bezirksvorsteher, Anm.], sie werden das ändern – es hat sich gar nichts geändert, da ist nur Dreck und Schmutz!» Der fotografisch und textlich basierte Austausch mit Bezirksbewohner_innen lässt die vielfältigen Erinnerungsschichten des Bezirks sichtbar werden. Persönlich Erlebtes, Geschehnisse im Grätzel und politisch über den Bezirk hinausreichende Ereignisse spielen zusammen und ergeben so etwas wie ein Kippbild des Bezirks: Je nachdem, mit wem man redet, erhält man eine andere Antwort, eine andere Sichtweise.

Carolina Frank / 31.08.2016