Nachbar_innenstadt: Pippilotta

Mit einem Zwanziger ist man dabei, in der Neulerchenfelder Straße. Drei Hemden bietet «Temas Textil» um 19 Euro 99, für zehn Euro bekommt man zwei Häuser weiter beim Friseur «Prestij» einen «Glatzenhaarschnitt». Ortsübliche Preise, wie die ortsansässigen, kolumnendiensthabenden Karenzpapas naturgemäß wissen. Zwischen Temas und Prestij verkauft «Pippilotta» Ortsunübliches: Mira Lobes «Das kleine Ich-bin-ich» auf Russisch um 15 Euro 95 oder das Sachbuch «Die coolsten und giftigsten Krabbeltiere der Welt» um 13 Euro 40.
Christoph Parzer , Klaus Federmair / 14.04.2015
Ottakring erinnert hier an das Abfuckerviertel, als das es der ORF in der Krimiserie «Cop Stories» zur Schau stellt. Ein paar Häuser weiter befindet sich die Neulerchenfelder Pfarrkirche, die die katholische Kirche 2014 mangels Katholikinnen und Katholiken der serbisch-orthodoxen übergeben hat; noch weiter stadtauswärts häufen sich leere Geschäftslokale und Rotlichtetablissements.
Vom Yppenplatz, der nur hundert Meter weiter mit seinem ständig wachsenden Gastgartenensemble Kaffee schlürfende Menschen sogar aus den innerstädtischen Upfuckervierteln in die Vorstadt lockt, ist an Pippilottas Standort nichts zu spüren. Bis zur Neulerchenfelder Straße schafft es die bildungsnahe potenzielle Klientel auch an Einkaufssamstagen üblicherweise nicht, weshalb die Betreiberin der Kinderbuchhandlung Pippilotta fast ausschließlich mit Besuch aus Ottakring vorliebnehmen muss.
Pippilotta erfreut sich daher einer eingeschworenen Stammkundschaft aus dem Bezirk, die aber nicht so zahlreich ist, dass sie mit ihren Bücherkäufen das Leben ihrer Betreiberin finanzieren könnte. Diese geht daher seit einiger Zeit am Sonntag einem Zweitjob nach, um finanziell durchzukommen. An Montagen ruht der Eine-Frau-Betrieb daher. Den Umsatz hat der Ruhetag bisher nicht beeinträchtigt. Für die Leute aus dem Viertel ist es schließlich egal, ob sie am Montag vorbeischauen oder an einem anderen Tag.


Christoph Parzer , Klaus Federmair / 14.04.2015