NACHBAR_INNENSTADT: Vorübergehend gesperrt

«Vorübergehend gesperrt» – nicht das, was gelesen werden will, wenn es pressiert. Das «Vorübergehend», im Duden als «nur zeitweilig, momentan» verstanden, lässt auf baldige Öffnung hoffen – auch wenn die Hoffnung im Moment eines dringlich zu befriedigenden Körperbedürfnisses sozusagen «zum Scheißen» ist.
Lisa Puchner / 22.11.2016
Wie lang aber «vorübergehend» dann wirklich dauert, ist vage. Im Falle der Klos in der U-Bahn-Station Neubaugasse kann es da auch schon einmal ein paar Monate bedeuten. Hier stehen die als «Kunden» und «Kundinnen» zu Bezeichnenden vor verschlossenen Türen. Denn seit 2014 handelt es sich bei den ca. 70 Örtchen in den U-Bahn-Stationen per se nicht mehr um öffentliche, sondern um «Kunden-WCs». Diese Anlagen wurden aus Kosten- und Verwaltungsgründen per Gesetzesbeschluss den Wiener Linien übergeben. Ob die nun also von den Wiener Linien betriebene Anlage in der Neubaugasse schon wieder zugesperrt ist oder noch immer, ist eigentlich egal. Einigen, die daran vorbeikommen, ist es das gewissermaßen auch: sie gehen eben auf ein Klo im nächsten Lokal. Auch wenn das für manche eine Lösung ist, andere wären auf die freie Zugänglichkeit des U-Bahn-Klos angewiesen. Dabei handelt es sich bei der Neubaugasse nicht um die einzige geschlossene Anlage. Der Verein BIZEPS macht in dieser Hinsicht immer wieder auf die Situation aufmerksam, da die Schließung auch viele barrierefreie Anlagen betrifft. Seit den Wiener Linien – gewissermaßen gegen ihren Willen – die U-Bahn-Klos übertragen wurden, so BIZEPS, häufen sich die Probleme wegen geschlossener WCs: Ärgerlich ist vor allem, dass es die barrierefreien Klos ja bereits gibt, sie müssten nur betrieben werden. Auch könnte hier von der Stadtregierung etwas mehr Druck auf die Wiener Linien erwartet werden. Zudem ist keine Liste der verfügbaren Klos auf dem Gebiet der U-Bahn veröffentlicht, weswegen BIZEPS selbst eine Karte erstellte. Ein Konzept, wie alle zugänglichen Klos in den U-Bahn-Stationen betrieben werden sollen, fehlt also. Ein solches wurde von den Wiener Linien bereits vor über einem Jahr angekündigt. Es sei jedoch noch in Arbeit – vorübergehend …
Lisa Puchner / 22.11.2016