Augustin 641

Notizen zur Zeit(ung)
Was die Außentemperaturen betrifft, hat sich der Frühling zum Zeitpunkt, als diese Zeilen entstehen, noch nicht durchgesetzt. Aber immerhin Narzissengelb blüht überall und grünes Blattwerk sprießt im Grau der Stadt. Für Menschen auf der Straße sind wärmere Tage und Nächte angenehmer, wobei Obdachlosigkeit natürlich zu keiner Jahreszeit angenehm ist. Erich Schubert war obdachlos, nachdem er seine Wohnung verloren hatte. In dieser Zeit schrieb er ein Tagebuch. Auszüge daraus können Sie diesmal als Coverstory lesen (Seite 6). Auch das Coverbild hat Herr Schubert gezeichnet und zusätzlich unsere erste Seite einem temporären Makeover unterzogen.
Bald sind es drei Jahrzehnte, seit Gottfried sein «Tagebuch» für den Augustin schreibt. Im Februar 1998 erschien die erste von ihm verfasste, damals noch «Tagebuch eines Augustin-Verkäufers» genannte, Kolumne. Auf Seite 24 finden Sie die aktuellen Einträge aus «Gottfrieds Tagebuch», diesmal geht es u. a. um Verpartnerung, fehlende Grautöne im Internet und natürlich um den rotgetigerten Mitbewohner des Autors, den Kater Karlo.
Eine neue Kolumne dürfen wir Ihnen ab dieser Ausgabe ans Herz oder auf Ihren Lesetisch legen. Unter «Inlandszustände» schreiben abwechselnd Irene Brickner und Grace Marta Latigo über den rassistischen Normalzustand und antirassistische Utopien. Auf Seite 13 kommentiert Irene Brickner die zerbröselte Brandmauer gegen rechts in der Europäischen Volkspartei. Das ist mehr als unerfreulich. Wir freuen uns jedoch, Irene Brickner als Augustin-Autorin zu begrüßen.
